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Mittwoch, 08.02.2012

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25 Jahre Stadtarchiv Geseke

Blick auf das Stadtarchiv, das seit 1999 in der obersten Etage der Dr. Adenauer Grundschule an der Ostmauer untergebracht ist.
Seit 1999 ist das Stadtarchiv in der obersten Etage der Dr. Adenauer Schule an der Ostmauer zu finden.

Seit nunmehr 25 Jahren besitzt die Stadt Geseke ihr eigenes Archiv.
Am 9. Dezember 1984 mit einem feierlichen Festakt im Böddeker Hof unter der damaligen Leitung von Monika Ortmanns (geb. Weissenfels) eröffnet, findet der Archivnutzer heute das Stadtarchiv unter Leitung der Stadtarchivarin Evelyn Richter in der obersten Etage der Dr.-Adenauer-Grundschule an der Ostmauer 2.

Stadtarchivarin Evelyn Richter
Stadtarchivarin Evelyn Richter

Lange bevor den Kommunen die Unterhaltung eines eigenen Archivs gesetzlich vorgeschrieben war (Nordrheinwestfälisches Archivgesetz aus dem Jahr 1989), richtete die Stadt Geseke bereits 1984 ein Archiv für ihr historisch wertvolles Schriftgut ein.
Dabei umfassen die Bestände u.a. als ältestes Stück eine Urkunde zu Gunsten des Heilig Geist Hospitals aus dem Jahr 1383, die schriftliche Überlieferung der Stadt Geseke ab dem 17. Jh., die des Go-Gerichtsbezirks Geseke ab 1597 und des ehemaligen Amtes Störmede ab der ersten Hälfte des 19. Jh. Heute finden sich hier aber auch Dauerleihgaben nichtstädtischer Herkunft wie beispielsweise die alte Geseker Zeitung von 1892 – 1972 der Familie Flamm, die übrigens zu dem am häufigsten genutzten Bestand gehört, die Bibliothek und ein Teil des Vereinsarchivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V und der älteste Teil des Vereinsarchivs der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft 1412. e.V.
Der Umzug 1998/1999 vom Böddeker Hof, dessen Raumkapazität völlig erschöpft war, in die frei gewordene obere Etage der ehemaligen Realschule bietet den Archivnutzer seitdem einen Lesesaal mit genügend Platz, um auch ganzen Schulklassen den Besuch des Archivs zu ermöglichen. Diese Möglichkeit wird rege genutzt. Jährlich finden zahlreiche Besucher persönlich den Weg in Archiv, hinzu kommen telefonische und schriftlichen Anfragen aus der städtischen Verwaltung, aus der Geseker Bevölkerung und aus der ganzen Welt.

Das Stadtarchiv kann, möglichst nach Voranmeldung (Tel.: 02942 - 78137 / E-Mail: evelyn.richter@geseke.de oder stadtarchiv@geseke.de), zu folgenden Zeiten genutzt werden:

Montag 8.30 Uhr - 12.00 Uhr und 14.00 Uhr - 16.00 Uhr
Dienstag 8.30 Uhr - 12.00 Uhr und 14.00 Uhr - 16.00 Uhr
Mittwoch 8.30 Uhr - 12.00 Uhr und 14.00 Uhr - 16.00 Uhr
Donnerstag 8.30 Uhr - 12.00 Uhr und 14.00 Uhr - 18.00 Uhr
Freitag geschlossen!

 

Das Stadtarchiv war von 1984 bis 1998 im Böddeker Hof untergebracht.
Stadtarchiv im Böddeker Hof von 1984 - 1998

Einige Etappen der Archivgeschichte – zusammengestellt von Stadtarchivarin Evelyn Richter:

1217
Im Jahr 1217 wird der Ort Geseke rechtlich zur Stadt Geseke, auch wenn sich eine eigentliche Stadtgründungsurkunde nicht erhalten hat bzw. wahrscheinlich auch gar nicht ausgestellt wurde. Die städtische Rechte und Privilegien verbriefenden Urkunden benötigten von nun an einen sicheren Aufbewahrungsort, ein Archiv. Die Existenz eines Archivs ist also spätestens seit der Stadtrechtsverleihung anzunehmen.

1491
Die faktische Existenz eines Urkunden-Archivs wird erstmals im Mai 1491 schriftlich belegt, also vor 518 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Urkunden der Stadt in einem „Kasten“, gemeint ist wohl eine verschließbare Truhe, im Turm der Stadtkirche St. Petri.

16. Jahrhundert
Die Urkunden und Amtsbücher werden in das damals am Marktplatz gegenüber der Stadtkirche gelegene Rathaus überführt.

1663
Den ersten schriftlichen Beleg für den Gebrauch des Wortes „Archiv“ für die Sache „Archiv“ findet sich in einem nach dem Mai 1663 verfassten Schreiben der Stadt Geseke an den Kölner Kurfürsten und Landesherrn, in welchem die Rechte, die die Stadt inne hat, aufgezählt werden. Durch dieses Schreiben erfahren wir auch, dass sich dieses so bezeichnete „archivum“ in der Ratstube befindet, wo auch Gericht gehalten wird.

1695
Bei einem Rathausbrand wird das ganze eigentliche städtische Archivgut vernichtet, soweit es sich zum Zeitpunkt des Brandes dort befand. Die Archivalien des landesherrlichen Gogerichts entgehen der Vernichtung, weil sie anderen Orts gelagert wurden.

19./20. Jahrhundert
Mit Untergang des Alten Reiches, der Auflösung des Herzogtums Westfalen und dem 1802 erfolgenden Übergang der Herrschaft auf die Landgrafschaft bzw. ab 1806 auf das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, ist die beschleunigte Auflösung der Selbstverwaltungsorgane der Stadt Geseke verbunden.
1810 wird die Ratsverfassung aufgehoben, 1811 die Schultheißenverfassung auch auf Städte übertragen: Die rechtliche Einheit „Stadt“ hat aufgehört zu existieren. Es gibt nur noch ein „Amt Geseke“.
1816 wird Geseke preußisch. Doch erst ab 1837 ist Geseke auch rechtlich wieder eine Stadt.
Das Archiv lagert noch immer in den Räumen des Rathauses, dessen Standort vom Marktplatz (um 1855 abgerissen) an den Teich verlagert wurde. Seine bedeutende rechtliche Qualität hat das Archivgut in Folge der politischen und verwaltungsmäßigen Umwälzungen weitgehend verloren, seine Bedeutung als Geschichtsquelle wird erst später erkannt.
Der „amtliche“ Bedeutungsverlust geht so weit, dass man beim Bau eines neuen Rathauses, dem heute so genannten „Alten Rathaus“ von 1893, erst ca. ein Jahr nach dem im August 1894 erfolgten Bezug feststellte, dass man den Einbau des vorgeschriebenen feuersicheren Archivraumes schlicht vergessen hatte!

1954/55
Nachdem es bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – zunächst von staatlicher Seite (Staatsarchiv Münster) dann mit der 1927 erfolgenden Einrichtung einer Archivberatungsstelle der Provinz Westfalen (Westfälisches Archivamt, heute: LWL- Archivamt für Westfalen) - auch von nichtstaatlicher Seite archivpflegerische Bemühungen gab, erfolgte 1954/55 die erste archivfachlichen Gesichtspunkten genügende Ordnung des Archivgutes durch einen Mitarbeiter der Archivberatungsstelle, nämlich Landesarchivrat Dr. Wolfgang Leesch.
Ebenfalls in den neunzehnhundertfünfziger Jahren bemühte man sich seitens der Archivberatungsstelle um eine sorgfältige Unterbringung und Ordnung der historisch wertvollen alten Registratur des Amtes Störmede.

Ab 1970
Seit die Stadtverwaltung 1970 im ehemaligen Rektoratsschulgebäude (= das heutige Verwaltungsgebäude An der Abtei 1) untergebracht wurde, konnte das Archiv von einigen wenigen Heimatforschern nur in der warmen Jahreszeit und auch da nur mit erheblichen Behinderungen benutzt werden, wie der Laienforscher Pfarrer Walter Wahle in einem späteren Leserbrief bezeugte.

1975
Ab 1. Januar 1975 werden sieben Gemeinden des nunmehr aufgelösten Amtes Störmede und Geseke zu der neuen Stadt Geseke zusammengeführt. Die Stadt Geseke wird Rechtsnachfolger des ehemaligen Amtes Störmede und ist nunmehr auch für das dort entstandenen historisch wertvolle Verwaltungsschrift gut zuständig. Die Altregistratur verbleibt jedoch zunächst im früheren Amtsgebäude in Ehringhausen.

1983
Nachdem mit dem denkmalgeschützten Böddeker Hof, ein westfälisches Steinwerk aus den Jahren 1509/10, nach mehrjähriger Suche endlich ein von allen beteiligten Seiten (Stadt und hier besonders Kämmerer Josef Rieländer – Westfälisches Archivamt - Verein für Heimatkunde Geseke e.V., Vorsitzender Dr. Hermann Hinteler - Politik) für geeignet erachteter Archivbau gefunden wurde, wird am 1. Oktober 1983, die erste hauptamtliche Archivarin, Frau Monika Weissenfels, später verheiratete Frau Ortmanns, der Stadt eingestellt.
Die Stadt Geseke besitzt also schon einige Jahre, bevor den Kommunen die fachlichen Ansprüchen genügende Fürsorge für ihr historisch wertvolles Schriftgut mit Erlass des Nordrheinwestfälischen Archivgesetzes aus dem Jahr 1989 gesetzlich vorgeschrieben wird, ein eigenes Archiv!
Die Geseker Zeitung vom 8. Oktober 1983 titelt: „Archivarin bringt Geseker Vergangenheit in Ordnung“.

1984
Das Stadtarchiv im Böddeker Hof wird am Sonntag, den 9. Dezember 1984 im Rahmen eines Festaktes unter Anwesenheit Interessierter aus Politik, Kultur und den Vereinen während eines „Tags der offenen Tür“ auch für externe Archivbenutzer - also die Bevölkerung - eröffnet.
Von Anfang an wird das Archiv rege genutzt - schon in diesem ersten Jahr werden 202 Archivbenutzer gezählt.

Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft 1412 e.V. übergibt 1984 durch den Hauptmann beim Stabe Bürgermeister Willi Heinrichsmeier den ältesten Teil ihres Vereinsarchivs an das neu eingerichtete Stadtarchiv als Dauerleihgabe.
Das erhalten gebliebene archivwürdige Schriftgut der ehemaligen Amtsverwaltung Störmede wird erst zum Ende des Jahrzehnts in das Stadtarchiv übernommen.

1986
Der Verein für Heimatkunde Geseke e.V. übergibt seine Bibliothek und einen Teil des Vereinsarchivs als Dauerleihgabe an das Stadtarchiv.

1989
Als Serviceangebot an die Verwaltungsmitarbeiter und als Brücke zum historische Archiv wird mit der Einrichtung eines sogenannten Zwischenarchivs (in den Kelleräumen des Alten Rathauses) begonnen. Später kommen weitere Kellerräume unter der jetzigen Dr. Adenauer-Grundschule dazu.

1990
Moderne Technik hält Einzug in alte Räume: Das Stadtarchiv erhält seinen ersten PC und eine erste Archivsoftware.

1991
Dezember 1991 scheidet Monika Ortmanns aus privaten Gründen aus dem Dienst der Stadt Geseke aus, um sich künftig anderen Orts einem neuen Tätigkeitsfeld zu widmen.

1992
Ihre Nachfolgerin Historikerin Evelyn Richter M.A. nimmt zum 1. April 1992 Ihre Tätigkeit auf.

1994
Die alte Geseker Zeitung von 1892-1972 wird im Rahmen einer Feierstunde von der Verlegerfamilie Flamm (der Verleger Leo Flamm im April 1991 verstorben) als Dauerleihgabe dem Stadtarchiv übergeben, mit der Auflage, diese alten Bände zu restaurieren und auf Mikrofiches zu verfilmen. Sie wird zu dem am häufigsten genutzten Bestand im Stadtarchiv Geseke.
Am 16. November 1994 wurde im Rahmen eines „Tags der offenen Tür“ an die 10 Jahre zuvor erfolgte Eröffnung des Stadtarchivs erinnert.

1995
In Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V., insbesondere gemeinsam mit dem Arbeitskreis "Geschichte der Juden in Geseke" findet in den Räumen des Heimatmuseums am Hellweg anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges ab dem 10. Mai 1995 eine vielbeachtete Ausstellung des Stadtarchivs über "das Kriegsende in der Stadt Geseke und im Amt Störmede" statt, die von 702 Besuchern gesehen und nach zweimaliger Verlängerung bis zum 5. Juli 1995 gezeigt wurde.

1998/99
Da die Raumkapazität im Böddeker Hof völlig erschöpft war, zog das Stadtarchiv in die oberste Etage der ehemaligen Realschule, heute Dr.-Adenauer-Schule an der Ostmauer 2. Die neuen Räume waren freigeworden durch die Zusammenlegung der beiden Geseker Hauptschulen. Erstmals besaß das Archiv einem Lesesaal mit genügend Platz um auch ganzen Schulklassen den Besuch des Archivs zu ermöglichen, welcher seitdem auch rege genutzt wurde.

1999
Nach dem Umzug: Die Geseker Zeitung titelt am 13. Januar 1999: "Beim Aktenentstauben drei Handfeger verbraucht. Nach Umzug öffnen sich heute wieder die Pforten des Stadtarchivs".
Anlässlich der Widereröffnung des Stadtarchivs wurde in den neuen Räumen und in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Geseke (Ingrid Neschen) die Wander-Ausstellung „Jacke wie Hose - Frauenarbeit in den weltweiten Bekleidungsfabriken“ in der Zeit vom 13. Januar bis einschließlich 9. Februar 1999 gezeigt. Aus arbeitstechnischen und inhaltlichen Gründen wurde dabei die Kooperation von Stadtarchiv, "Eine-Welt-Laden e.V." und der Volkshochschule Möhne-Lippe angestrebt und erfolgreich praktiziert. Ursprünglich konzipiert wurde die Ausstellung vom "Informations- und Kulturbüro Solidarische Welt Vamos e.V." aus Münster, wobei am Geseker Veranstaltungsort die fertigen Ausstellungstafeln um Informations- und Anschauungsmaterial sowie um einen thematisch passenden zwanzigminütigen Videofilm aus dem Fundus des Vereins "Eine-Welt-Laden" ergänzt wurden. Nach Voranmeldung führten zwei engagierte Mitglieder dieses Vereins, Frau Maria Weiß und Frau Doris Hoffmann, sachkundig Gruppen durch die Ausstellung. Abendtermine und die nachmittäglichen Sonderöffnungszeiten des Stadtarchivs an vier Sonntagen ermöglichten Berufstätigen und Auswärtigen auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten den Besuch. Die Archivstatistik wies daher 1999 die hohe Zahl 589 von Benutzungen auf.

2001
Das Ergebnis einer Fragebogenaktion des Stadtarchivs zeigt eine hohe Akzeptanz dieser Einrichtung der Stadtverwaltung.

2002
Im September wird zwecks besserer Temperaturregelung ein separate Heizungsanlage eingebaut und das Stadtarchiv damit von der Zentralheizung des darunter befindlichen Schulgebäudes unabhängig.

2003
Die Redaktion der seit 1926 vom Verein für Heimatkunde Geseke e.V. herausgegebenen "Geseker Heimatblätter" wird auf Bitten des Vereins durch Beiratsmitglied und Stadtarchivarin Evelyn Richter seit Februar 2003 im Auftrage des Heimatvereins ausgeübt.

2004
Am 19. Mai 2004 wurde die aus ihrer 2002 an der FH Potsdam als Diplomarbeit entstandenen Publikation von Evelyn Richter, "Geschichte des Stadtarchivs Geseke und seiner Bestände", Münster 2004, im Rahmen einer feierlichen Buchpräsentation vor einem Kreis aus Vertretern des Geseker Stadtrats, des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V., der Sparkasse Geseke und Archivleiterinnen und Archivleitern der benachbarten Archive der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Publikation, die als Bd. 17 in der Reihe "Texte und Untersuchungen zur Archivpflege" des Westfälischen Archivamtes erscheint, wurde vom Geseker Heimatverein zugleich als Bd. 13 in die von ihm herausgegebene Veröffentlichungsreihe "Beiträge der Geschichte der Stadt Geseke" aufgenommen.

2009
Das Stadtarchiv kann auf eine nunmehr 25-jährige Geschichte als Jedermann zugängliche, öffentliche und von Angehörigen aller Altersgruppen vielgenutzte Einrichtung zur Bewahrung und Erforschung der Quellen der Geseker Stadtgeschichte zurück blicken.

Weitergehende Informationen: Details zur archivischen Tätigkeit, u.a. in den dort (ab 1992) eingestellten Jahresberichten des Stadtarchivs, finden sich hier.