

Jugend und Alkohol – ein problematisches Thema, das in den letzten Jahren regelmäßig in den Medien zu finden ist. Auch in Geseke gibt es dieses Problem. Um dem jedoch wirksam begegnen zu können, hat die Stadt Geseke vor zwei Jahren einen "Runden Tisch" ins Leben gerufen. In regelmäßigen Abständen trifft Bürgermeister Franz Holtgrewe sich mit der Polizei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendzentrums und des städtischen Ordnungsamtes sowie des Kreisjugendamtes, Kreisgesundheitsamtes und dem hiesigen Schulsozialarbeiter.
Bürgermeister Franz Holtgrewe: "Wir wollen nicht wegschauen und um einen Überblick über das Alkoholverhalten der Jugendlichen in Geseke zu bekommen, haben wir eine Umfrage ausgearbeitet. 472 Schüler im Alter zwischen Zehn und Einundzwanzig Jahren an den Geseker Schulen wurden befragt. Ausgewertet wurde die Befragung von Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt." Dr. Holzbach: "Überall in Deutschland gibt es dieses Problem. Es ist jedoch etwas ganz besonderes, dass eine Stadt für sich diese Umfrage gestartet hat und diesen Schritt geht."
Das Ergebnis der Befragung rüttelt auf. 21,1 % der Befragten Zehn- bis Zwölfjährigen haben schon mit 10 Jahren mindestens einmal ein Glas Alkohol getrunken. 6,2 % waren mit dreizehn Jahren schon einmal betrunken und 29,4 % der Befragten haben in den letzten sieben Tagen Alkohol getrunken. Dabei ist bemerkenswert, dass bereits 12,7 % der jungen Leute 6 € bis 10 € und sogar 10,3% mehr als 20 € ihres Geldes für Alkohol ausgeben. Erschrecken ruft das Ergebnis der Frage "Wie oft hast Du in den letzten 30 Tagen in einer Kneipe, Bar, Disco oder einem Restaurant Alkohol getrunken" auf. Bereits 10,1% der Zehn- bis Zwölfjährigen haben in diesen öffentlichen Räumen Bier getrunken, 30,8% der Sechzehn- bis Siebzehnjährigen Alkopops und 40,9 % dieser Altersgruppe Spirituosen. Das verstößt klar gegen das Jugendschutzgesetz, das den Verkauf von Alkopops, Likör, Hochprozentigem und Branntwein erst ab 18 Jahren zulässt, Bier und Wein dürfen bereits Sechzehnjährige erhalten, in Begleitung einer personensorgeberechtigten Person (Eltern!) dann schon Vierzehnjährige.
Bürgermeister Franz Holtgrewe: "Wir wollen mit diesem Ergebnis in die Öffentlichkeit gehen. Die Schulen leisten schon seit Jahren sehr gute Präventionsarbeit, aber die Aufmerksamkeit, Sensibilität und das Bewusstsein muss nicht nur bei den Kindern sondern vor allem auch bei den Eltern erzeugt werden." Die Befragung hat nämlich ergeben, dass Eltern und Freunde und nicht die Schule erste Ansprechpartner bei Alkoholproblemen sind.
Katrin Deppe vom Jugendzentrum und Ulf Pabst und Bettina Adams vom Kreisjugendamt hat das Ergebnis dieser Umfrage nicht überrascht. Sie haben die Zahlen erahnt, die jetzt belegt sind.
Dr. Rüdiger Holzbach: "Alkohol ist in unserer Gesellschaft anerkannt. Daß Jugendliche ihr Verhältnis zum Alkohol testen, ist nicht das Problem, sondern das junge Alter der Betroffenen. Denn gerade in der Pubertät vernetzt das Gehirn diese Angebote sehr schnell."
Der Runde Tisch hat etwas in Bewegung gebracht. "Bei diesem vielschichtigen Problem wollen wir nicht mit Druck reagieren und Schranken aufbauen. Wichtig ist uns, attraktive Angebote für junge Leute in Geseke zu haben. Dafür leisten wir uns, trotz der angespannten Haushaltslage ein städtisches Jugendzentrum mit Öffnungszeiten bis in die Abendstunden und am Wochenende, " so Bürgermeister Holtgrewe. Die gemeinsam vom Jugendzentrum und Kreisjugendamt organisierten Veranstaltungen wie beispielsweise "Sport um Mitternacht" aber auch die Jugendarbeit in den Vereinen oder die Angebote von Stadt, Vereinen und Kreisjugendamt in den Sommerferien sind viele Bausteine, die ansprechen. Dabei gibt es jedoch immer wieder Gruppen, die nicht erreicht werden.
Das Ergebnis dieser Umfrage bietet den Hintergrund für weitere Maßnahmen, um Zeichen in die richtige Richtung zu setzen.