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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2007

Das Stadtarchiv befindet sich in der obersten Etage der Dr.-Adenauer-Grundschule, Ostmauer 2. Der Zugang ist über den Schulhof auf der Rückseite des Gebäudes zu erreichen, links im Bild (Eingangstür verdeckt).
Foto: Stephanie Marks, Stadt Geseke.

Neben der Erledigung der üblichen archivischen Kernaufgaben wurde im letzten Viertel des Jahres 2007 mit dem Übertrag des bisher nur in maschinenschriftlicher Form vorliegenden Findbuches aus dem Jahr 1954/55 des Geseker Archivalien-Altbestandes (Bestände A, B, C und U) in elektronische Form begonnen. Ziel ist es, bis 2009 wenigstens einen Teil des Findbuches unter dem Internetportal www.archive.nrw.de recherchierbar einzustellen.

Benutzerstatistik:

Gegenüber dem Vorjahr ist bei der Gesamtbenutzungszahl ein leichter Rückgang zu beobachten, der jedoch ausschließlich darauf zurückzuführen ist, dass in diesem Jahr zum erstem Mal keine Schulklassen während einer Unterrichtseinheit geschlossen das Archiv besuchten. Dies ist wohl eine Folge der landesweiten Veränderungen in den Schulen selbst, deren Lehrkräften kaum noch Zeit gelassen wird, Lokalgeschichtliches in ihren Unterricht einzubauen. Die Zahl der (in der Regel betreuungsintensiveren) externen Einzelbenutzungen ist dagegen zum Jahr 2006 relativ und absolut sogar ein wenig gestiegen.

Es wurden 2007 insgesamt mindestens 384 Benutzungen (2006: 417) gezählt. Davon haben 167 Benutzer (2006: 178) das Archiv persönlich aufgesucht, während 217 Personen (2006: 239) telefonisch, brieflich, per E-Mail oder mündlich ihre manchmal recht aufwändigen Rechercheaufträge erteilten bzw. um Auskunft ersuchten. 73 (= 19 %) der Benutzungen erfolgten verwaltungsintern und zu dienstlichen Zwecken (2006: 116 = 27,8 %), während 311 (= 81 %) der Benutzungen durch externe, also nicht verwaltungsangehörige Benutzer erfolgten (2006: 301 = 72,2 %).

Zusammenarbeit mit Schulen:

Obgleich 2007 keine ganzen Schulklassen das Archiv besuchten, kamen doch wieder einzelne Schüler oder Schülergruppen in das Stadtarchiv, um für ihre geschichtlichen Facharbeiten oder andere größere Hausarbeiten lokalhistorisch zu recherchieren. Auch wurde Lehrpersonen lokalgeschichtliches Material zur Unterrichtsvorbereitung gern zur Verfügung gestellt.

Im Januar und Februar 2007 absolvierten nacheinander im Rahmen eines Schulpraktikums in der Stadtverwaltung drei Schülerinnen der Realschule einen je einwöchigen Praktikumsteil im städtischen Archiv. Im März 2007 arbeitete ein Schülerpraktikant des Gymnasiums Antonianum zwei Wochen im Stadtarchiv.

 

Veranstaltungen des Archivs:

Am 1. Februar 2007 besichtigte die Arbeitsgruppe „Frauenbelange“ aus Geseke das Stadtarchiv. Diese Arbeitsgruppe wurde 2001 von der damaligen stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Tölke ins Leben gerufen. Die weiblichen Rats- und Ausschussmitglieder treffen sich in dieser Arbeitsgruppe regelmäßig mit der derzeitigen städtischen Gleichstellungsbeauftragten Birgit Dobbels zum Erfahrungsaustausch, um die Interessen der Bürgerinnen in unserer Stadt besser vertreten zu können. Den Besucherinnen wurden nach einer allgemeinen Archivführung insbesondere die Archivalien vorgestellt, die in besonderem Maße Zeugen weiblichen Wirkens in der lokalen Geschichte sind.

Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V.: Redaktion Geseker Heimatblätter:

Im Jahr 2007 konnten wieder 10 Ausgaben der Geseker Heimatblätter fertig gestellt werden. Die 30 Ausgaben der Jahre 2004 bis 2006 der Geseker Heimatblätter, die seit 1926 vom Verein für Heimatkunde Geseke e.V. herausgegeben werden und deren Redaktion seit 2003 auf Wunsch des Vereins beim Stadtarchiv liegt, wurden in der ersten Jahreshälfte 2007 in einer gebundenen Form herausgegeben, von der derzeit (Stand Frühjahr 2008) beim Geseker Heimatverein bzw. in der Buchhandlung Berg in Geseke noch Exemplare käuflich erworben werden können. 

Mit dem Tode von Frau Hannelore Berg, Inhaberin der zuvor genannten Buchhandlung, am 15. August 2007, verlor der Geseker Heimatverein ein hochgeschätztes Beiratsmitglied und eine uneigennützige Verbreiterin und damit Förderin der ortsgeschichtlichen Literatur. Ihre ehemaligen Mitarbeiterinnen haben es auf sich genommen, dieses Wirken im Sinne der Verstorbenen weiter zu führen.

Wie immer sei an dieser Stelle allen Autoren und Autorinnen für ihre durchweg interessanten, unterhaltsamen und oft anspruchsvollen Artikel herzlich gedankt, ebenso auch den Mitarbeitern der „Geseker Zeitung“ bzw. des „Der Patriot“, in Lippstadt für die technische Umsetzung und das Layout insbesondere Frau Erika Hapke, tätig in der Technik-Setzerei des Patriot, und nicht zu vergessen dem Verlag Laumanns selbst dafür, dass er die auch überörtlich bekannten Geseker Heimatblätter weiterhin als Beilage seiner Tageszeitung unentgeltlich veröffentlicht.

Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv:

Durch freundliche Vermittlung des Landesarchivs NRW, Staatsarchiv Münster war im Jahr 2006 aus Privathand eine 1804 angefertigte Abschrift eines Geseker Schnadjagdprotokolls von 1779 in den Bestand des Stadtarchivs Geseke gelangt. Diese wurde 2007 mit einer ausführlichen Einleitung als Textedition veröffentlicht: Evelyn Richter, Die Geseker Schnadjagd im Jahr 1779, in: SüdWestfalen Archiv. Landesgeschichte im ehemaligen kurkölnischen Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Arnsberg, 7. Jg. 2007, S. 170-190.

Ein Geseke betreffender Ausschnitt der im Herbst 2005 durch den Geseker Heimatverein angekaufte Messrelation von 1591 wurde gleichfalls mit einer ausführlichen Einleitung als Textedition veröffentlicht: Evelyn Richter, „Auff was weiß sich Burgermeister vnnd Rath entschuldigen das sie Graff Johan Philips von Oberstein die Statt Geisicken in Westphalen vbergeben“. Die Verwüstung der Stadt Geseke von 1591 in der Darstellung einer zeitgenössischen Quelle, in: Geseker Heimatblätter Nr. 490, Juli 2007, S. 49-56.

Stand der Restaurierungsarbeiten:

Die im Jahr 2006 begonnenen Restaurierung des im Findbuch des Stadtarchivs Geseke unter der Signatur A XXXII, 3 Bd. 4 (07.02.1688-07.03.1699) verzeichneten Bandes der Serie der Go-Gerichtsprotokolle (Protokollbücher des kurfürstlichen Gerichts in Geseke) wurde 2007 fortgeführt. Die Restaurierung dieses Bandes, die wie immer durch die Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes für Westfalen in Münster geleistet wird, wird hoffentlich 2008 abgeschlossen werden können.

Verbesserung der technischen Ausstattung:

Da für viele Archivbenutzer der Laptop inzwischen zum gewohnten Arbeitsmittel bei der Archivalienauswertung gehört, wurden im Dezember 2007 im Lesesaal des Archivs zusätzliche Steckdosen in unmittelbarer Nähe zu den Besucherarbeitsplätze angebracht.

Hilfskräfte und Sammlungen:

Dank zweier, im Rahmen der leider zeitlich befristeten umgangssprachlich so genannten „Ein-Euro-Jobs“, nacheinander tätigen engagierten Hilfskräfte konnten das Einscannen klassifizierter und das Sortieren bereits gescannter Zeitungsartikel nach einer vorgegebenen Klassifikation bis Ende 2007 zu einem vorläufigen Abschluss gebracht werden. Die Artikel mehrere Jahre sind nun vollständig eingearbeitet, so dass das Stadtarchiv jetzt eine fast lückenlose Dokumentation der nach Themen und chronologisch geordneten Artikel aus der Geseker Zeitung seit 1983, ergänzt ab ca. 2003 um einzelne Artikel aus der Neuen Regionalen und dem Wochentip, besitzt. Damit ist die archivische Zeitungsausschnittsammlung zu einer wertvollen Informationsquelle zu Ereignissen aus der Lokalgeschichte der letzten Jahrzehnte geworden, besonders für Vorgänge, für die es keine alternativen Quellenzeugnisse gibt. Sie gehört inzwischen zusammen mit der verfilmten alten Geseker Zeitung (1892-1972) zu dem am häufigsten genutzten dokumentarischen Einzelbestand.

Übernahmen, Ankäufe und Schenkungen

All denjenigen, die im Jahr 2007 einzelne Fotografien, Totenzettel, alte Plakate, Festschriften oder sonstige Dokumente aus privatem Besitz, sei es als Schenkung, sei es als Dauerleihgabe, dem Stadtarchiv übergeben haben, sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt. Jedes einzelne Stück trägt dazu bei, dem künftigen Geschichtsforschenden einen, vielleicht den entscheidende Hinweis zu geben, „wie es eigentlich gewesen ist“. 

Auch der als Dauerleihgabe im Stadtarchiv untergebrachte ältere Teil des Archivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. wurde um einige Bücher ergänzt.

Aus dem Antiquariatsbuchhandel konnten drei für die Geschichte der Stadt interessante Bücher für die Archivbibliothek käuflich erworben werden:

1. Immer noch sehr lesenswert: Falke, Didakus: Kloster und Gymnasium Antonianum der Franziskaner zu Geseke. Ein Beitrag zur Schulgeschichte der Neuzeit. Mit 13 Abb. Münster: Aschendorff 1915. XIV, 191 S. (Franziskanische Studien. Beih. 1.)

2. Sehr selten ist das von dem gebürtigen Geseker Adolf Viedenz verfasste Büchlein: Neue Beiträge zur Geschichte der Stadt Geseke. 1. Theil: Aliso und benachbarte Festungen der Römer. Mit 3 Tafeln Zeichnungen, Eberswalde 1894. 

3. Ein sogenanntes „güldenes Buch“ aus dem Jahr 1772, eine Buchprämie, die der Rat der Stadt Geseke für erfolgreiche Prüflinge des Gymnasiums Antonianum spendete: Kurzgefaßte neue Auszüge unpartheyischer Anmerkungen zur Vertheidigung der Gerechtsamen und Nutzbarkeit der Ordensgeistlichen; bey Gelegenheit derer wider Sie intendirten fremden sowohl als einheimischen Anfechtungen: als nützliche Nachlese zu den berühmten Reflexionen betreffend die demüthige und eifrige Beförderer der Seelsorge, Andacht u. s. w.: zugeeignet Ihro höchstwürdigst regierenden Päbstliche Heiligkeit, allerhöchst Selbst Ordensgeistlicher. Zu Prag, in der Altstadt, 1772 bey W. Gerl. Neuburger, auch zu Frankfurt und Leipzig in der Oster-Messe, und sonst bey dasigen Buchhändlern. Ausschlaggebend für den Ankauf des Buches war nicht der Inhalt oder das Alter dieser Schrift, sondern sein besonderer Einband: Auf dem schlichten dünnen Ledereinband ist auf dem vorderen und dem hinteren Einbanddeckel in sogenannter Blindprägung oder Blinddruck-Technik ein wirklich prächtiger, leicht ovaler städtischer Prägestempel mit einem Durchmesser von 5,2 bis 5,8 cm eingepresst. Das Siegel zeigt das damalige Stadtwappen, also im unteren Teil das kurkölnische Wappen umgeben mit Palmwedeln und in der oberen Hälfte als Brustbild den Stadtpatron St. Petrus, im rechten Arm liegend und mit beiden Händen den großen Schlüssel umfassend. Die Umschrift dieses Siegels lautet: Ex Liberali Donatione Senatus Gesecensis.