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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2008

von Evelyn Richter

Der folgende Bericht soll einen Überblick über die neben der Erledigung von Routineaufgaben im Jahr 2008 sonst noch geleistete archivische Arbeit geben sowie über einige Neuheiten im Stadtarchiv informieren.

Benutzerstatistik

Gegenüber dem Vorjahr ist erfreulicherweise ein leichter Anstieg der Benutzungszahlen zu beobachten, der sich jedoch nur aus der erhöhten schulischen Nutzung erklärt. Es wurden 2008 insgesamt mindestens 400 Benutzungen gezählt (2007:384). Davon haben 166 (= 41,5 %) Benutzer (2007: 167 = 43,5 %) das Archiv persönlich aufgesucht, während 234 (= 58,5 %) Personen (2007: 217 = 56,5 %) telefonisch, brieflich, per E-Mail oder mündlich ihre manchmal recht aufwändigen Rechercheaufträge erteilten bzw. um Auskunft ersuchten. 24,75 % (= 99) der Benutzungen erfolgten verwaltungsintern und zu dienstlichen Zwecken (2007: 19 % = 73), während 75,25 % (= 301) der Benutzungen durch externe, also nicht verwaltungsangehörige Benutzer erfolgten (2008: 81 % = 311).

Zusammenarbeit mit Schulen und Schülerpraktikanten

Im Gegensatz zum Jahr 2007 besuchten in 2008 gleich zwei Schulklassen bzw. Schulkurse zusammen mit Ihren Lehrpersonen das Stadtarchiv. So konnte am 9. Mai 2008 ein Grundkurs Geschichte des Gymnasiums Antonianum mit einem Lehrer und am 4. September 2008 die Klasse 4c der Dr.-Adenauer-Grundschule gemeinsam mit ihrer Lehrerin und einer weiteren Aufsichtsperson zu einer Unterrichtseinheit im Archiv begrüßt werden. Beide Klassen waren sehr gut vorbereitet und ebenso interessiert. Darüber hinaus wertete auf Anraten ihres Fachlehrers  eine Geseker Gymnasiastin der Jahrgangsstufe 12 ab Ende Oktober 2008 für ihre über mehrere Monate anzufertigende Facharbeit zum Thema „Kirche und Nationalsozialismus in Geseke“ Akten und Bücher im Stadtarchiv aus.

Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V.: Redaktion der Geseker Heimatblätter

Im Jahr 2008 konnten wieder 10 Ausgaben der Geseker Heimatblätter fertig gestellt werden. Schon seit 1926 gibt der Verein für Heimatkunde Geseke e.V. diese auch überörtlich bekannte und beliebte lokalgeschichtliche Zeitschrift heraus, die als Beilage der Geseker Zeitung erscheint und deren Redaktion auf Wunsch des Vereins seit 2003 beim Stadtarchiv liegt. Im August 2008 konnte nun ein besonderes Jubiläum, nämlich das Erscheinen der fünfhundertsten Ausgabe seit 1926, gefeiert werden. Bei den unentgeltlich schreibenden Autoren und Autorinnen der in den vergangenen drei Jahre erschienenen Ausgaben bedankte sich der Geseker Heimatverein am 14. November 2008 für ihre durchweg interessanten, unterhaltsamen und oft anspruchsvollen Artikel mit dem traditionellen „Abend am Kamin“ im Heimatmuseum, einem geselligen Abendessen auf Einladung des Vereins. In diesen Dank eingeschlossen war ausdrücklich Herr Dr. Reinhard Laumanns, Inhaber des Laumanns-Verlages, dafür, dass er bisher und auch künftig die Heimatblätter als Beilage seiner Tageszeitung veröffentlicht. Weiterhin dankte der Heimatverein auch den Mitarbeitern der „Geseker Zeitung“ bzw. des „Der Patriot“ in Lippstadt, die verantwortlich für die technische Umsetzung und das Layout sind, und hier insbesondere Frau Erika Hapke, tätig in der Technik-Setzerei des Patriot sowie bei Frau Veronika Pflug. Dieser Danksagung schließt sich die Redaktion hiermit ausdrücklich an.

Im Rahmen der Generalversammlung des Geseker Heimatvereins und in Anlehnung an einen bereits 2007 im „SüdWestfalen Archiv“ erschienenen Artikel hielt Stadtarchivarin Evelyn Richter über den Geseker Schnadgang von 1779 einen kurzen geschichtlichen Vortrag.

Stand der Restaurierungsarbeiten

Die im Jahr 2006 begonnene Restaurierung des im Findbuch des Stadtarchivs Geseke unter der Signatur A XXXII, 3 Bd. 4 (07.02.1688-07.03.1699) verzeichneten Bandes der Serie der Go-Gerichtsprotokolle (Protokollbücher des kurfürstlichen Gerichts in Geseke) wurde 2008 fortgeführt. Die Restaurierung dieses Bandes, die durch die Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes für Westfalen in Münster geleistet wird, wird hoffentlich 2009 abgeschlossen werden können.

Verbesserung der technischen Ausstattung

In den vergangenen Jahren haben mehrfach Schüler- und sonstige Praktikanten sowie Hilfskräfte im Rahmen gemeinnütziger Arbeit einfache Ordnungsarbeiten im Stadtarchiv erledigt. Um den Kreis der möglichen Tätigkeiten für archivarisch ungeschulte Archivmitarbeiter/innen zu erweitern bzw. effizienter zu gestalten, wurde bereits 2006 im Lesesaal des Stadtarchivs ein zusätzlicher Mitarbeiterarbeitsplatz mit lokalem PC, Drucker und Flachbildscanner eingerichtet. 2008 wurden diese älteren Geräte durch neuere ausgetauscht und nun mittels einer Funkverbindung und zusätzlicher neuer Software auch mit dem Hauptserver in der Stadtverwaltung vernetzt, somit sind die damit erzeugten Daten besonders gesichert.

Praktikanten und Hilfskräfte

Bis Ende August 2008 konnte dank einer sehr tüchtigen, leider nur halbtags und zeitlich befristet tätigen, umgangssprachlich so genannten „Ein-Euro-Kraft“ die Zeitungsausschnittsammlung weitergeführt werden (sie beinhaltet jetzt die Artikel bis ca. August 2008). Darüber hinaus konnte von ihr eine größere Anzahl von Altakten gesäubert, enteist und in archivtaugliche Aktendeckel umgebettet werden. Seit Ende Oktober wird nun die erneuerte technische Ausstattung von einer weiteren, zu gleichen Bedingungen tätigen ebenso fleißigen Hilfskraft genutzt, um die Bildsammlung (2008 zunächst nur die Positive) sowie die Totenzettelsammlung des Stadtarchivs einzuscannen. Die Dateinamen werden dabei aus einer Klassifikationsnummer und einer fortlaufenden Nr. gebildet. Diese Arbeit ist Voraussetzung für eine spätere ausführlichere und differenzierter recherchierbare elektronische Verzeichnung.

Anfang Oktober 2008 absolvierte im Rahmen ihrer universitären Ausbildung eine Studentin ein einwöchiges Archivpraktikum.

Übernahmen, Ankäufe und Schenkungen

Moderne Kommunalarchive beschränken sich nicht darauf, das in ihrer Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung (also den jeweiligen Archiveignern) erzeugte rechtlich und historisch wichtige Schriftgut bzw. elektronische Archivgut auf Dauer in das historische Archiv zu übernehmen, sondern sie suchen aktiv durch Sammlungstätigkeit und Übernahmen von Archivgutspenden aus privater Hand, die Bandbreite geschichtlich interessanter Unterlagen zu erweitern und die ganze Palette des Geschehens in ihren Kommunen zu dokumentieren.Daher ist es besonders erfreulich, dass auch 2008 wieder Archivalien aus privater Hand dem Stadtarchiv geschenkt oder leihweise zur dauernden Aufbewahrung übergeben wurden. Allen Schenkenden und allen Leihgebern sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt.

Sammlungen: Gleich von mehreren Personen wurden dem Archiv zahlreiche Totenzettel für die Sammlung übergeben. Diese wurden zunächst nach dem ersten Buchstaben grob alphabethisch vorsortiert und sollen nach und nach mittels eines Archivprogramms elektronisch erfasst werden, um zukünftige Recherchen zu beschleunigen und die Originale zu schonen.

Auch die Bildsammlung konnte gleich aus mehreren Quellen um ein paar hundert neuere Aufnahmen (Positive und Negative) ergänzt werden. Leider ist das gros der Bilder nicht beschriftet, so dass in den kommenden Jahren auf die Mithilfe interessierter Bürger bei der Identifizierung gehofft wird. Zu diesem Zweck wurden von den bereits eingescannten und nach Klassifikation grob vorgeordneten Bildern Papierausdrucke angefertigt, die im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen und dort von Kundigen beschriftet werden können.

Aus einem bayerischen Antiquariat konnte eine besondere Rarität für das Stadtarchiv angekauft werden, nämlich vier rote Siegellackabdrücke von Geseker Stadtsiegeln aus den Jahren 1237, 1314, 1350 und 1495. Diese Abdrücke von Siegeln, die sich heute allesamt nicht mehr im Stadtarchiv Geseke befinden, entstammen ursprünglich der Sammlung des bekannten Heraldikers Otto Hupp (1859-1949), der kommunale Siegel als Vorarbeiten für sein von 1894 bis 1928 erschienenes Wappenwerk „Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer“ sammelte.

Privatarchive (Firmen, Parteien, Vereine, Familien und Einzelpersonen): Das archivische Depositum (Dauerleihgabe) der FDP Geseke wurde um einige Plakate ergänzt.

Besonders erfreulich ist auch, dass dem Archiv eine Festschrift und die dieser Festschrift zu Grunde liegenden Originalunterlagen der 2007 aufgelösten Maschinenfabrik Fa. Dücker übergeben wurden. Leider gelangen viel zu selten Firmennachlässe und Firmenarchive in das Stadtarchiv Geseke. Dabei dokumentiert sich die Bedeutung und Geschichte einer Stadt auch in ihren Wirtschaftsunternehmen, seien es Handwerksbetriebe, Einzelhandelsgeschäfte, Industriebetriebe oder Hotels und Gaststätten (usw.).

Archivbibliothek: Die 2008 in den Geseker Heimatblättern unter der Rubrik „Hinweise und Mitteilungen“ besprochenen Publikationen wurden allesamt auch in die städtische Archivbibliothek aufgenommen, so dass sie hier nicht nochmals erwähnt werden sollen. Eine vorzügliche Zeitschrift, in der auch immer wieder Interessantes und Relevantes für Geseker Belange entdeckt werden kann, ist die „Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde“. Die Archivbibliothek erhielt jetzt als Schenkung zahlreiche ältere Ausgaben, so dass nun die Reihe der Bände von 1955 bis 2008, abgesehen von kleineren Lücken, vollständig vorhanden ist. Natürlich sind in der Präsenzbibliothek auch einige Publikationen über und von Erzbischof Prof. Dr. Reinhard Marx aufgenommen worden, ebenso das 2007 im de Gruyter Verlag erschienene und im Januar 2008 im Rahmen einer feierlichen Buchpräsentation im Alten Rathaus vorgestellte, lang erwartete wissenschaftliche Standardwerk „Das adelige Kanonissenstift St. Cyriakus zu Geseke“ von Dr. Ulrich Löer.

Auch der als Dauerleihgabe im Stadtarchiv untergebrachte ältere Teil des Archivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. wurde um einige Bücher ergänzt.