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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2009

von Evelyn Richter

Der folgende Bericht soll einen Überblick über die neben der Erledigung von Routineaufgaben im Jahr 2009 sonst noch geleistete archivische Arbeit geben sowie über Neuheiten im Stadtarchiv informieren.

Benutzerstatistik

Gegenüber dem Vorjahr ist die Gesamtzahl der Archivbenutzer nahezu konstant geblieben, jedoch haben anteilsmäßig und in absoluten Zahlen weniger Besucher das Stadtarchiv persönlich aufgesucht. Dafür ist jedoch der Anteil der schriftlichen Anfragen, insbesondere per E-Mail, nochmals weiter gestiegen.

 

Es wurden 2009 insgesamt 398 Benutzungen gezählt (2008: 400). Davon haben 113 (= 28,4 %) Benutzer (2008: 166 = 41,5 %) das Archiv persönlich aufgesucht, während 285 (= 71,6 %) Personen (2008: 234 = 58,5 %) telefonisch, brieflich, per E-Mail oder mündlich ihre manchmal sehr aufwändigen Rechercheaufträge erteilten bzw. um Auskunft ersuchten. 22,6 % (= 90) der Benutzungen erfolgten verwaltungsintern, also zu dienstlichen Zwecken (2008: 24,75 % = 99), während 77,4 % (= 308) der Benutzungen durch externe, also nicht verwaltungsangehörige Benutzer erfolgten (2008: 75,25 % = 301).

 

Zusammenarbeit mit Schulen und Schülerpraktikanten

Nicht nur die räumliche Nähe sorgt für eine gute Zusammenarbeit von Archiv und Schulen, zumal gelegentlich auch Schüler der Bildungseinrichtungen benachbarter Orte das Geseker Stadtarchiv nutzen. 2009 haben wieder besonders Schüler/innen der Stufe 12 des Gymnasiums archivalisches Sammlungsgut zur Vorbereitung ihrer mehrmonatigen Facharbeiten genutzt.

 

Anfang Februar 2009 verbrachte eine Schülerpraktikantin im Zuge ihres Verwaltungspraktikums einige Tage im Stadtarchiv Geseke. Zudem absolvierte ein Schüler des Gymnasiums AntonianumEnde März / Anfang April ein 14-tägiges Archivpraktikum.

 

Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V.: Redaktion der Geseker Heimatblätter

Im Verein für Heimatkunde Geseke e.V. ist die jeweilige Stadtarchivarin bzw. der jeweilige Stadtarchivar geborenes Mitglied. Im Auftrag des Vereins übernimmt seit 2003 das Stadtarchiv die Redaktion der Geseker Heimatblätter. Im Jahr 2009 konnten wieder 10 Ausgaben der Geseker Heimatblätter fertiggestellt werden, wobei die letzte Ausgabe des Jahres 2009 das Inhaltsverzeichnis der Ausgaben der Jahre 2007 bis 2009 beinhaltete. 2010 wird der Geseker Heimatverein, der diese Zeitschrift seit 1926 herausgibt, wieder einen gebundenen Jahresband anbieten können. Ab wann genau dieser Band käuflich zu erwerben sein wird, wird in der Tageszeitung „Der Patriot“ bzw. in der „Geseker Zeitung“ noch bekannt gegeben werden.

 

Bei den unentgeltlich schreibenden Autoren und Autorinnen der in den vergangenen drei Jahren erschienenen Ausgaben bedankt sich der Geseker Heimatverein hiermit ausdrücklich für ihre durchweg interessanten, unterhaltsamen und oft anspruchsvollen Artikel. In diesen Dank soll besonders auch Herr Dr. Reinhard Laumanns, Inhaber des Laumanns-Verlages, eingeschlossen werden dafür, dass er bisher und auch künftig die Heimatblätter als Beilage seiner Tageszeitung veröffentlicht. Weiterhin dankt der Heimatverein auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des „Der Patriot“ in Lippstadt, die verantwortlich für die technische Umsetzung und das Layout sind, und hier insbesondere Frau Erika Hapke, tätig in der Technik-Setzerei des Patriot sowie Frau Veronika Pflug, die gelegentlich vertretungsweise die technische Umsetzung der Geseker Heimatblätter betreut. Dieser Danksagung schließt sich die Redaktion hiermit ausdrücklich an.

Besondere Aktivitäten und Besucher

Am 5. Februar 2009 besuchte der Vorstand des Heimatvereins Langeneicke das Stadtarchiv im Rahmen einer allgemeinen Informationsveranstaltung.

 

Im Gegenzug hielt die Stadtarchivarin Evelyn Richter auf der Generalversammlung des Langeneicker Heimatvereins am 24. April 2009 einen kurzen Vortrag zum Thema Schnadgänge in Langeneicke.

 

Am 9. Dezember 2009 jährte sich zum 25. Mal die Eröffnung des Stadtarchivs Geseke als hauptamtlich besetzte, für jedermann zugängliche öffentliche Einrichtung der Stadt Geseke zur Übernahme, Bewahrung und Zugänglichmachung der aus amtlicher und nicht-amtlicher Provenienz stammenden Unterlagen zur Geschichte der Stadt Geseke - damals im Böddeker Hof, heute in der obersten Etage der Dr. Adenauer-Grundschule gelegen. Die erste hauptamtliche Archivarin war Frau Monika Ortmanns, die bereits zum 1. Oktober 1983 eingestellt worden war und bis dahin mit der Grundordnung der damaligen Bestände beschäftigt war. Die örtliche Presse berichtete aus diesem Anlass ausführlich über das Stadtarchiv, dessen älteste Überlieferung aus dem Jahr 1383 stammt, dessen Bestehen eines Urkunden-Archivs aber seit 1217 angenommen werden darf. Eine Kurzchronik der Geschichte des Stadtarchivs Geseke seit 1217 ist jetzt hier nachzulesen.

Foto einer Urkunde
Die älteste Urkunde im Stadtarchiv Geseke vom 8. Februar 1383. In einem für die Urkundenabteilung im Geseker Findbuch von Wolfgang Leesch angefertigten Regest heißt es: Ghert von Meldrike, Knappe, befreit mit Zustimmung seiner Ehefrau Styne ein ihm lehnrühriges Gut, das Tydeman Tylle, Bürger zu Ghesike, bewirtschaftet und das einst dem Wulbere Gryverinch gehört hat, gelegen im Ghesiker Feld, zugunsten des Hospitals zum Heiligen Geist zu Gesike von allen Lehnbindungen (van allen lenschen rechten) und verzichtet zugunsten des Hospitals auf alle Rechte an dem Gut. Zeugen sind: Herman de Frese, ein Bürgermeister, Hunolt Bokenevurde und Engelbracht Nake, Bürger zu Ghesike; Herman Hensinch und Johannes Nacke, Vormünder des Hospitals. Siegel: Aussteller (in Schild). Ursch. (Mnd.) Perg. Rückschrift (17. Jahrhundert): Hazeises gudt.
Foto: Fotografin: Evelyn Richter, Stadt Geseke

Unter den zahlreichen Benutzungen des Stadtarchivs ragen einige besondere hervor, wie zum Beispiel Anfang des Jahres die eines Zeitzeugen der schweren Bombardierung der Stadt Geseke am 31. Mai 1944. Dieser hatte den Angriff hautnah als damals nach Geseke evakuiertes Kind, zusammen mit andern Kindern eines Wattenscheider Waisenhauses, in der dabei völlig zerstörten Papiersackfabrik Feldmann miterlebt. Sein autobiografischer Bericht erschien ab Mai 2009 in den Geseker Heimatblättern.

Ebenfalls auf einen Kontakt mit dem Stadtarchiv ging der im Mai 2009 erfolgte Besuch von Angehörigen des englischen Zweigs der in Geseke ausgestorbenen, ehemals ratsfähigen Familie Nolten zurück, die durch Bürgermeister Franz Holtgrewe, Rainer Köhl als Dolmetscher, Hubertus Kersting als Vertreter des Geseker Heimatvereins, Frau Sonntag-Carl vom Presseamt der Stadtverwaltung sowie der Stadtarchivarin empfangen wurden und die bei einem Stadtrundgang den Spuren ihrer Vorfahren in Geseke folgten. Ein kurzer Bericht dazu findet sich hier.

 

Im Dezember 2009 besuchte eine Tochter eines während des Zweiten Weltkrieges in Langeneicke als französischer Kriegsgefangener untergebrachten Marcel Warin, gemeinsam mit ihrem Gatten das Stadtarchiv, um in den Archivalien nach Spuren ihres Vaters und zugleich auch nach Informationen zu anderen ehemaligen französischen Kriegsgefangenen zu recherchieren. Seit 1956 waren schon mehrere freundschaftliche Besuche bei der Familie in Langeneicke erfolgt, der der Vater als Kriegsgefangener zugeteilt gewesen war. In der Geseker Zeitung erschien im Anschluss daran ein umfangreicher Bericht mit der Bitte, es mögen sich weitere Zeitzeugen melden.

 

Foto von Marcel Warin
Der französische Kriegsgefangene Marcel Warin während seines Aufenthaltes in Langeneicke.
Foto: Aus Privatbesitz

Stand der Restaurierungsarbeiten

Die im Jahr 2006 begonnene Restaurierung des im Findbuch des Stadtarchivs Geseke unter der Signatur A XXXII, 3 Bd. 4 (07.02.1688-07.03.1699) verzeichneten einzelnen(!) aber sehr umfangreichen Bandes der Serie der Go-Gerichtsprotokolle (Protokollbücher des kurfürstlichen Gerichts in Geseke) war 2007 und 2008 fortgeführt worden und konnte 2009 endlich abgeschlossen werden. Die Restaurierung dieses Bandes wurde durch die Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes für Westfalen in Münster geleistet.

Verbesserung der technischen Ausstattung

Nach vielen Jahren täglicher intensiver Nutzung war der bis dahin benutzte HP-Flachbettscanner des Archivs Mitte 2009 endgültig unbrauchbar geworden und wurde durch ein leistungsfähigeres Modell, einen EPSONV750 Pro ersetzt, das zudem auch qualitativ höherwertigere Scanns von Fotopositiven, Negativen, Dias usw. erzeugen kann.

 

Ebenfalls 2009 wurde die Ersatzbeschaffung eines wesentlich leistungsfähigeren PC für das Archivbüro notwendig.

 

Da 2009 eine größere Aktenmenge in das historische Archiv übernommen wurde, wurden weitere Standregale für die Magazinräume angekauft, eine Maßnahme, die durch das LWL-Archivamt für Westfalen bezuschusst wurde.

Archivische Hilfskräfte

Die tüchtige Mitarbeiterin, die im letzten Viertel des Jahre 2008 im Rahmen eines umgangssprachlich so genannten Ein-Euro-Jobs mit dem Einscannen der Fotopositive der archivischen Bildsammlung begonnen hatte, konnte Anfang März 2009 anderen Ortes in eine reguläre Arbeitsstelle wechseln. Ihre ebenfalls sehr motivierte Nachfolgerin konnte Ende April gleichfalls anderen Ortes eine reguläre Stelle antreten. Beiden Kolleginnen sei für ihre verdienstvolle Arbeit nochmals herzlich gedankt. Da seitdem aber keine Hilfskräfte mehr im Stadtarchiv beschäftigt sind, verzögert sich voraussichtlich leider die weitere Aufarbeitung der archivischen Bildsammlung und anderen Sammlungsguts.

Übernahmen, Ankäufe und Schenkungen

Durch eine zum 1. Januar 2009 wirksam gewordene Änderung des Personenstandsgesetzes sind die Standesämter nun verpflichtet, die Geburts-, Ehe- und Sterberegister (Erstregister und Sammelakten) den Kommunalarchiven nach Ablauf der folgenden Fortführungsfristen des Standesamtes anzubieten (gesetzliche Anbietungspflicht): Geburtsregister nach 110 Jahren, Ehe- und Lebenspartnerschaftsregister nach 80 Jahren, Sterberegister nach 30 Jahren. Im Gebiet der heutigen Stadt Geseke sind das die Register des ehemaligen Standesamtes Störmede in Ehringhausen und die des Standesamtes Stadt Geseke. Diese werden damit zu Archivgut und unterstehen der Archivgesetzgebung. Urkunden im rechtlichen Sinne können aus diesen Registern nicht mehr angefertigt werden. Eine eventuell notwendige Beglaubigung der daraus angefertigten einzelnen Kopien erfolgt derzeit durch das Bürgerbüro in der Stadtverwaltung Geseke, die zu diesem Zweck ausschließlich über das Stadtarchiv selbst die Fotokopien erhält und die für Beglaubigungen eine Gebührenrechnung erstellt. Im Verlauf des Jahres 2009 übernahm des Stadtarchiv Geseke die Geburtsregister bis einschließlich 1898, die Eheregister bis einschließlich 1928 und die Sterberegister bis einschließlich 1978.

 

Es ist besonders erfreulich, dass auch 2009 wieder Archivalien aus privater Hand dem Stadtarchiv geschenkt oder leihweise zur dauernden Aufbewahrung übergeben wurden. Allen Schenkenden und allen Leihgebern sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt.

 

So wurden die Bestände des Archivs u. a. (die Aufzählung strebt keine Vollständigkeit an) um das Rechnungsbuch einer Mönninghauser Schmiede mit Eintragungen aus den Jahren 1929-1949, einzelne ältere und neuere Fotos aus unterschiedlichen privaten Händen, einer Reihe von älteren und neuen Totenzetteln, antiquarischen Büchern mit Geseke-Bezug (z.B. Biographie von P. Januarius Grewe, erschienen Werl 1925) sowie Examensarbeiten, die unter u. a. aufgrund einer Auswertung von Archivalien des Geseker Stadtarchivs entstanden sind, ergänzt.

 

Die 2009 in den Geseker Heimatblättern unter der Rubrik „Hinweise und Mitteilungen“ besprochenen Publikationen wurden allesamt angekauft und auch in die städtische Archivbibliothek aufgenommen, so dass sie hier nicht nochmals erwähnt werden sollen.

 

Auch der als Dauerleihgabe im Stadtarchiv untergebrachte ältere Teil des Archivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. wurde wieder um einige ältere Publikationen ergänzt.