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Montag, 21.05.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2010

von Evelyn Richter

Der folgende Jahresbericht soll einen Überblick über die neben der Erledigung von Routineaufgaben im Jahr 2010 sonst noch geleistete archivische Arbeit geben sowie über Neuheiten im Stadtarchiv informieren.

Benutzerstatistik

Gegenüber dem Vorjahr gab es eine Steigerung der Archivbenutzungen von 26,4 %. Bemerkenswerter Weise hat sich auch der prozentuale Anteil derjenigen erhöht, die persönlich im Lesesaal des Stadtarchivs gearbeitet haben.
Der beträchtliche Anstieg der Benutzungszahlen insgesamt ist überwiegend auf die vermehrte Nutzung der nach Änderung des Personenstandsgesetzes (neu ab 1. Januar 2009) nunmehr im Stadtarchiv lagernden und nach Maßgabe des nordrhein-westfälischen Archivgesetzes (Stand 16. März 2010) zu nutzenden Standesamtsregister zurück zu führen. Die Standesämter selbst halten die Personenstandsregister nur noch zeitlich begrenzt vor, nämlich Sterberegister dreißig Jahre, Eheregister 80 Jahre, Geburtsregister 110 Jahre nach Entstehung. Danach erfolgt eine Abgabe an die zuständigen Kommunalarchive. (Übrigens: Eine Ausstellung von Urkunden ist aus diesen zu Archivgut gewordenen Registern rechtlich nicht mehr möglich!).

Es wurden 2010 insgesamt 503 Benutzungen gezählt (2009: 398). Davon haben 217 (= 43,1 %) Benutzer (2009: 113 = 28,4 %) das Archiv persönlich aufgesucht, während 286 (= 56,9 %) Personen (2009: 285 = 71,6 %) telefonisch, brieflich, per E-Mail oder mündlich ihre manchmal sehr aufwendigen Rechercheaufträge erteilten bzw. um Auskunft ersuchten. 13,5 % (= 68) der Benutzungen erfolgten verwaltungsintern, also zu dienstlichen Zwecken (2009: 22,6 % = 90), während 86,5 % (= 435) der Benutzungen durch externe, also nicht verwaltungsangehörige Benutzer erfolgten (2009: 77,4 % = 308).

 

Zusammenarbeit mit Schulen und Schülerpraktikanten

Nicht nur die räumliche Nähe sorgt für eine gute Zusammenarbeit von Archiv und Schulen, zumal gelegentlich auch Schüler der Bildungseinrichtungen benachbarter Orte das Geseker Stadtarchiv nutzen.

Am 3. März 2010 haben 26 Schüler und Schülerinnen der Klasse 3b der Dr. Adenauer-Grundschule zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Sültrop und einer zusätzlichen Betreuungsperson aus der Elternschaft das Archiv besucht.

Die Klasse 3b der Dr.-Adenauer-Grundschule besuchte im Rahmen des Sachkundeunterrichtes das städtische Archiv im März 2010.
Die Klasse 3b der Dr.-Adenauer-Grundschule besuchte im Rahmen des Sachkundeunterrichtes das städtische Archiv im März 2010.

Vom 15. März bis zum 26. März 2010 absolvierte ein sehr engagierter Schüler des Antonianums sein im Lehrplan vorgeschriebenes Praktikum im Stadtarchiv.

Am 18. März 2010 nutzte im Rahmen von Projekttagen des Gymnasiums Antonianum zum Thema "Klima: Winter" eine Schülerinnengruppe die vorbereiteten Archivbestände.

Seit Herbst 2010 nahm wieder einmal ein Schüler des Antonianums an dem bundesweit ausgetragenen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der von der Körber-Stiftung alle zwei Jahre ausgerichtet wird, teil. Der Wettbewerb stand dieses Mal unter dem Oberthema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte". Dieser Schüler nutzte u.a. intensiv den z.T. handschriftlichen Aktenbestand sowie den Zeitungsbestand des Geseker Archivs.

Darüber hinaus haben wie in den vergangenen Jahren besonders Schüler/innen der Stufe 12 des Gymnasiums Antonianum archivalisches Sammlungsgut zur Vorbereitung ihrer mehrmonatigen Facharbeiten oder für andere schulische Belange (z.B. Schülerzeitung) genutzt.

 

Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V.: Redaktion Geseker Heimatblätter

Im Verein für Heimatkunde Geseke e.V. ist die jeweilige Stadtarchivarin bzw. der jeweilige Stadtarchivar geborenes Beiratsmitglied. Im Auftrag des Vereins übernimmt seit 2003 das Stadtarchiv die Redaktion der Geseker Heimatblätter. Im Jahr 2010 konnten wieder 10 Ausgaben der Geseker Heimatblätter fertig gestellt werden. Vom Geseker Heimatverein, der diese Zeitschrift seit 1926 herausgibt, und dem Verlag Laumanns konnte im vergangenen Jahr erneut ein Dreijahresband, nämlich der mit den Ausgaben der Jahre 2007 bis 2009, herausgegeben werden. Dieser Band kann wie immer in der Geseker Buchhandlung Berg oder neuerdings auch bei der Geseker Geschäftsstelle der Tageszeitung "Der Patriot" bzw. der "Geseker Zeitung" erworben werden.

Bei den unentgeltlich schreibenden Autoren und Autorinnen der in den vergangenen drei Jahren erschienenen Ausgaben bedankt sich der Geseker Heimatverein hiermit ausdrücklich für ihre durchweg interessanten, unterhaltsamen und oft anspruchsvollen Artikel. In diesen Dank soll besonders auch Herr Dr. Reinhard Laumanns, Inhaber des Laumanns-Verlages, eingeschlossen werden dafür, dass er bisher und auch künftig die Heimatblätter als Beilage seiner Tageszeitung veröffentlicht. Weiterhin dankt der Heimatverein auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des "Der Patriot" in Lippstadt, die verantwortlich für die technische Umsetzung und das Layout sind, und hier insbesondere Frau Erika Hapke, tätig in der Technik-Setzerei des Patriot, sowie Frau Veronika Pflug, die gelegentlich vertretungsweise die technische Umsetzung der Geseker Heimatblätter betreut. Dieser Danksagung schließt sich die Redaktion hiermit ausdrücklich an.

 

Veröffentlichungen

Außer den Buchbesprechungen in den Geseker Heimatblättern, unter der Rubrik "Hinweise und Mitteilungen", und einer Rezension in der Rheinisch-westfälischen Zeitschrift für Volkskunde wurde auch ein biographischer Beitrag zu dem gebürtigen Geseker Ferdinand Fabra (1906-2007), einem Pionier unter den deutschen Fußballtrainern und engagierten Pädagogen, im Heimatkalender des Kreises Soest 2011 veröffentlicht.

 

Stand der Restaurierungsarbeiten

Im Jahr 2010 wurde mit der Restaurierung des im Findbuch des Stadtarchivs Geseke, Bestand Geseke A, mit der Signatur A XXXII, 3, Bd. 6 (18.05.1704 – 24.07.1710) bezeichneten Bandes der Serie der Go-Gerichtsprotokolle (Protokollbücher des kurfürstlichen Gerichts in Geseke) begonnen. Die Restaurierung wird noch mindestens im Jahr 2011 fortgesetzt werden. Die Restaurierung dieses Protokolls wird durch die Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes für Westfalen in Münster geleistet.

 

Verbesserung der technischen Ausstattung

Der alte Fotokopier im Stadtarchiv wurde im September 2010 durch ein neues Gerät ersetzt, mit dem u.a. neuerdings auch die Erstellung von farbigen und vor allem von digitalen Kopien (entweder im PDF- oder im bitonalem Tiff-Format) möglich ist, die nach dem Kopiervorgang per Mail jeweils an den Archiv-PC geschickt werden. Die Kopiervorlage kann dabei bis zu DIN A 3 groß sein. Dies kommt dem geänderten Benutzerverhalten entgegen, wonach immer mehr externe und interne Archivbenutzer die Übermittlung von Informationen oder digitale Kopien von Archivgut per Mail erwarten.

 

Digitalisierung von Archivbeständen

Ab den 1960er Jahren wurde in der Bundesrepublik Deutschland, eingedenk der Erfahrungen in den beiden vorangegangenen Weltkriegen, in einer breit angelegten Aktion die Sicherungsverfilmung der wertvollsten Archivalien in den verschiedenen Archiven betrieben. Durch einen an den Regierungspräsidenten gerichteten Erlass des nordrhein-westfälischen Kultusministers vom 2. Juli 1965 sollten auch die wertvollsten Archivalien der nicht zu den Großstädten gehörenden Städte mit bedeutender Vergangenheit in die Sicherungsverfilmung einbezogen werden. Zu den ersten in Frage kommenden 16 Städten im Zuständigkeitsbereich des Westfälischen Archivamtes zählte die Stadt Geseke. Hier wurden 1967 Teile des von dem vom Archivamt entsendeten Archivars, Dr. Wolfgang Leesch, als Bestand A (16. Jh. bis 1815) verzeichneten Archivgutes der kurkölnischen und hessischen Periode sicherungsverfilmt. Diese Filme wurden anschließend im Staatsarchiv Düsseldorf aufbewahrt.

Eine für die Benutzung in Lesegeräten geeignete Mikrofilm-Kopie auf Ozalid-Duplizierfilm SM wurde im selben Jahr von der Stadt Geseke für den eigenen Gebrauch in Auftrag gegeben. Die Filmrollen befanden sich seitdem aber ungenutzt in der Stadtverwaltung bzw. später im Stadtarchiv, weil ein dafür geeignetes Lesegerät fehlte, so dass trotzdem notgedrungen weiterhin die mehrere Jahrhunderte alten "Originale" benutzt wurden. Diese Rollfilme sind nun jedoch digitalisiert worden und können ab sofort auf dem PC des Mitarbeiterplatzes im Lesesaal des Stadtarchivs (nach Anmeldung!) genutzt werden.

 

Hilfskräfte im Archiv und ehrenamtliche Mitarbeiter

Im Monat Juli 2010 konnte eine Dame im Rahmen eines umgangssprachlich so genannten Ein-Euro-Jobs einige Tage zur Ordnung der Zeitungsausschnittsammlung eingesetzt werden. Seit dem 30. August 2010 bis voraussichtlich Ende Februar 2011 wird diese Tätigkeit und andere Sortierarbeiten im Sammlungsgut (z.B. Totenzettelsammlung) durch einen unter den selben Konditionen beschäftigten Herrn engagiert geleistet. Der Kollegin und dem Kollegen sei an dieser Stelle für Ihre Mitarbeit nochmals gedankt.

An dieser Stelle soll auch ein besonderer Dank jenen Damen und Herren ausgesprochen werden, die 2010 ehrenamtlich bei der Identifizierung von Bildern aus der Bildsammlung des Stadtarchivs oder bei Bestandssortierarbeiten mithalfen. Vergessen sei auch nicht ein Dank an Denjenigen, der nun schon seit einigen Jahren ehrenamtlich immer mal wieder für die Sammlung Fotografien anfertigt.

 

Übernahmen, Ankäufe, Schenkungen (nichtamtliche Bestände)

Es ist besonders erfreulich, dass auch 2010 wieder Archivalien aus privater Hand dem Stadtarchiv geschenkt oder leihweise zur dauernden Aufbewahrung übergeben wurden. Allen Schenkenden und allen Leihgebern sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt.

So wurden die Bestände des Archivs u. a. (die Aufzählung strebt keine Vollständigkeit an) um Nachlassteile aus einer Haushaltsauflösung einer verstorbenen Dame, alte Banknoten aus der Inflationszeit in den 1920er Jahren und Notgeld dieser Zeit, Rechnungen und Briefe aus dem 19. Jh. an die Lederhandlung Bernard Kampelmann, Totenzettel, Fotografien und Postkarten, alte Baupläne, Manuskripte und eine Materialsammlung zur Wüstungsforschung (Silbecke) ergänzt.

Die 2010 in den Geseker Heimatblättern unter der Rubrik "Hinweise und Mitteilungen" besprochenen Publikationen wurden allesamt angekauft und auch in die städtische Archivbibliothek aufgenommen, so dass sie hier nicht nochmals erwähnt werden sollen.

Das Archiv des Geseker Heimatvereins, von dem sich Teile als Dauerleihgabe im Stadtarchiv befinden, wurde 2010 wieder um eine Anzahl Bücher ergänzt.

Darüber hinaus übergab Josef Schlüter zehn Aktenordner mit Schriftwechsel aus seiner Zeit als Vorsitzender des Plattdeutschen Krings, einer Abteilung des Geseker Heimatvereins, zur dauernden Aufbewahrung im Vereinsarchiv.

Diese Fotographie wurde dem Stadtarchiv Geseke unlängst aus einer Nachlassauflösung für seine Bildsammlung geschenkt. Die Fotografie trägt auf der Rückseite den Aufdruck
Diese Fotographie wurde dem Stadtarchiv Geseke unlängst aus einer Nachlassauflösung für seine Bildsammlung geschenkt. Die Fotografie trägt auf der Rückseite den Aufdruck "Davis, Highest Awards For Best Photographs, Crayons and Pastels." und den handschriftlichen Zusatz "Kaspar". Da das Bild laut Überlieferung einen nach Amerika ausgewanderten Verwandten der ursprünglichen Besitzerin der Aufnahme abbilden soll, zeigt das Foto vermutlich die Familie des aus Geseke stammenden, dann aus Rade vorm Wald im Jahr 1881 ausgewanderten Caspar Engels. Foto: Bildsammlung Stadtarchiv Geseke