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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 1995

Im vergangenen Jahr 1995 gedachte man in Deutschland eines Ereignisses, das 50 Jahre zuvor stattgefunden hatte und bis heute nachwirkt - der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands, dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Beginn einer doch wenigstens in unserem Lande bereits fünf Jahrzehnte währenden Friedenszeit.

Ausstellung:

Für Geseke endeten die militärischen Kriegshandlungen mit dem Einmarsch der Amerikaner in den hiesigen Raum in den Morgenstunden des 1. April 1945. An das Kriegsende in der Stadt Geseke und im Amt Störmede erinnerte die Ausstellung, die vom Stadtarchiv in Verbindung mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V. in den Räumen des Hellweg-Museums ab 10. Mai 1995 gezeigt wurde. Aufgrund des regen Besucherinteresses - insgesamt 702 Ausstellungsbesucher wurden gezählt - wurde sie bis zum 5. Juli verlängert. Auf die Aufrufe vom Januar und Februar '95 in der örtlichen Presse meldeten sich zahlreiche Zeitzeugen bzw. deren Nachkommen. Ihre Schilderungen, dazu Auszüge aus Schulchroniken, zahlreiche Fotografien der kriegszerstörten Gebäude, die Auszüge aus städtischen Akten und Amtsdrucksachen sowie einige zeittypische Gegenstände sollten zum Erinnern und kritischen Nachempfinden anregen. Besondere Betroffenheit erweckte bei den Besuchern der Ausstellungsteil, der von Herrn Reinhard Marx gemeinsam mit dem Arbeitskreis "Geschichte der Juden in Geseke" gestaltet, sich mit dem Schicksal der Geseker Juden und ihrer Nachkommen während des Krieges und nach Kriegsende beschäftigte. Von ehemals mindestens 67 jüdischen Mitbürgern vor 1933 lebte bei Kriegsende bedingt durch Tod im KZ, Emigration oder ein sonstiges schweres Schicksal kein einziger mehr in Geseke.

Vorträge/Führungen:

Dass ein Archiv mehr ist als ein Aufbewahrungsort für alte staubige Akten, dies versuchten im Mai und September zwei Vorträge mit Archivführung in den Räumen des Böddeker Hofs den Besuchergruppen der evangelischen Frauengruppe 'Die Brücke' und der Caritas zu vermitteln. Einblicke in die Aufgaben und die Arbeitsweise eines Kommunalarchivs sollen kleinen Besuchergruppen auf diese Art auch in Zukunft vermittelt werden.

Verbesserung der technischen Ausstattung:

Viele der mit Eisengallustinte geschriebenen archivalischen Texte sind im Laufe der Jahrhunderte so stark verblasst, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr zu entziffern sind. Unter Einwirkung von ultraviolettem Licht beginnen einige der Bestandteile dieser Tinte zu fluoreszieren und werden so wieder sichtbar. Aus diesem Grunde wurde als Lesehilfe für die Benutzer des Archivs eine UV-Handlupenleuchte angeschafft.

Personalia:

Seit dem 1. September (bis voraussichtlich Sommer 1996) beschäftigt das Archiv im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zwei dringend benötigte Hilfskräfte. Eine Kraft ist mit der Vorbereitung für die weitere Bearbeitung (Säuberung, Enteisung, Umbettung und listenmäßigen Erfassung) der stark verschmutzten Akten des ehemaligen Amtes Störmede nach 1945 beschäftigt. Eine andere Kraft überarbeitet die Zeitungsausschnittsammlung des Archivs.

Sonstige Aktivitäten, Ergebnisse und Ereignisse:

Betreuung und Beratung von Archivbenutzern bildeten, neben archivischen Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten, Öffentlichkeitsarbeit, redaktionellen Tätigkeiten und Recherchen auch für die Verwaltung selbst, die Arbeitsschwerpunkte im vergangenen Jahr 1995.

Akten und Druckwerke des Archivbestandes waren die Grundlage, auf der Archivbenutzer auch dieses Jahres wieder interessante Arbeiten erstellten. Besonders sei hier auf die ausgezeichnete Examensarbeit von Thomas Rottschäfer verwiesen, der die Geschichte der Geseker Zeitung (als Dauerleihgabe im Archiv) in der Zeit des Nationalsozialismus erforschte.

Um unter anderem die historische Forschung in unserer von der Wissenschaft bisher etwas stiefmütterlich behandelten Region zu fördern, hatte sich 1994 ein Arbeitskreis der Archivarinnen und Archivare im Bereich des ehemaligen kurkölnischen Herzogtums Westfalen gegründet. Am 8. Dezember 1995 trafen sich seine Mitglieder zu einer ertragreichen Tagung in Geseke.

Wie fruchtbar die Zusammenarbeit auch von Schule und Kommunalarchiv sein kann, zeigte sich im Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten (Körber-Stiftung). Von drei Schülergruppen wurden im Gymnasium Antonianum je ein vierter (Tutor Fachleiter Herr Johannes Klaholdt) und ein fünfter Preis (Tutor Stadtarchiv), in der städtischen Realschule ebenfalls ein fünfter Preis (ohne Tutor) errungen.

Benutzerstatistik:

1995 suchten 347 Benutzer (1994: 384) das Archiv selbst auf bzw. erteilten als Angehörige der Stadtverwaltung den Rechercheauftrag telefonisch. Da das Archiv über einen Monat geschlossen werden musste, ist die Benutzerzahl etwas niedriger als im Vorjahr. Die Gesamtzahl setzt sich wie folgt zusammen: Verwaltung = 53 (1994: 39), Heimatverein Geseke = 101 (92), sonstige Benutzer = 193 (253). Zahl der schriftlichen Anfragen an das Stadtarchiv = 25 (18). Die telefonische Benutzerberatung wurde statistisch nicht erfasst.

Neuerwerbungen:

 Der Archivbibliotheksbestand konnte um einige interessante Bücher durch Ankauf und Schenkungen erweitert werden. Jetzt vorhanden ist u.a. das mehrbändige Standartwerk "Westfälische Geschichte", hrsg. von Wilhelm Kohl, die neueste Auflage von Fritz Dickmann, "Der Westfälische Frieden", mehrere Ausstellungskataloge, die Verwaltungsgeschichte von Wolfgang Leesch u. a. mehr. Auch die Bibliothek des Geseker Heimatvereins mit ihrer Zeitschriftensammlung wurde durch Vereinsmitglieder wieder laufend ergänzt.