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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 1997

Ja, auch im vergangenen Jahr 1997 bildeten Betreuung und Beratung von Archivbenutzern neben archivischen Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten, archivischer Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen sowie die internen Dienstleistungen für die Stadtverwaltung selbst die Arbeitsschwerpunkte, so dass sie eigentlich keiner besonderen Erwähnung bedürften.

Aktenfund und Übergabe:

Im Zuge dieser gewöhnlich unspektakulären Routinearbeiten wurden aber zu Beginn des Jahres sieben Akten (aus den 20er und 30er Jahren) des Stiftskirchenarchives wiederaufgefunden, die in dessen Findbuch bereits vor Jahrzehnten verzeichnet waren und offensichtlich irgendwann noch vor Einrichtung des heutigen Stadtarchivs - das legt der Fundzusammenhang nahe - aus dem Pfarrarchiv verschwanden. Zeitpunkt und Umstände des Verschwindens ließen sich auch nicht durch eine Anfrage an das Pfarrsekretariat klären. Die Akten, die einen Prozess Kirche gegen Stiftfond betreffen, wurden an das Geseker Stiftskirchenarchiv zurückgegeben und stehen nun wieder an dem Ort der Forschung zur Verfügung, wo sie gemäß des archivischen Provenienzprinzips hingehören und gesucht werden.

Benutzerstatistik:

1997 suchten 303 Benutzer (1996: 300) das Archiv selbst auf bzw. erteilten als Angehörige der Stadtverwaltung den Rechercheauftrag telefonisch. Diese Zahl gliedert sich in die drei großen Benutzergruppen: Verwaltung mit 70 (1996: 68), Angehörige des Geseker Heimatvereins mit 67 (1996: 44) und sonstige Besucher mit 166 (1996: 188) Benutzungen. Die telefonische Benutzerberatung wurde ebenso wenig erfasst wie die Beantwortung der - oft recht umfangreiche Recherchearbeit erfordernden - schriftlichen Anfragen.

Die Beantwortung einer Anfrage aus den Niederlanden, veranlasste heute dort und in den USA lebende Nachkommen der bereits im 19. Jahrhundert ausgewanderten Angehörigen einer jüdischen Geseker Familie im Sommer 1997 zu einer Visite in Geseke, da im Hellweg noch das Geburtshaus jener Vorfahren steht. Dem Besuch im Stadtarchiv schloss sich die vom Heimatverein und dessen Arbeitskreis "Jüdische Familien" gern und gut betreute Führung durch Haus und Stadt an.

Vorträge/Führungen u. ä.:

Hans Peter Busch, Geschäftsführer des Geseker Heimatvereins und Leiter des Stadtarchivs Erwitte, bot wie bereits im vergangenen Jahr, in kollegialer Zusammenarbeit mit dem Geseker Stadtarchiv, interessierten Familienforschern eine fachkundige Einführung in Technik und "Handwerkszeug" der Genealogie. Um lange Anfahrtswege zu vermeiden, aber vor allem um die Aufmerksamkeit auf die Forschungsmöglichkeiten "vor Ort" zu lenken, traf man sich an einem Februarabend in den Räumen des "Böddeker Hofes".

Mitglieder des Heimatvereins Langeneicke-Ermsinghausen waren überrascht, wie interessant und umfangreich doch noch die archivalische Überlieferung der beiden ehemals zum Amt Störmede gehörenden Orte ist, als sie sich an einem Abend im Mai zu einer Archivführung mit Vortrag einfanden.

Auch dieses Jahr suchte ein Lehrer für seine Unterrichtsgestaltung die Zusammenarbeit. Mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten betraut nutzte im Dezember eine Hälfte des Grundkurses Geschichte der Klassenstufe 11 des Gymnasiums Antonianum gut vorbereitet durch ihren Fachlehrer, Herrn Sandmann, die Arbeitsmöglichkeiten im Archiv.

Projektierter Archivumzug:

Für das Jahr 1998 - das genaue Datum steht noch nicht fest - ist der Umzug des Stadtarchivs in die oberste Etage der ehemaligen Realschule im Schulzentrum Mitte vorgesehen. Diese Räume müssen jedoch zunächst durch kleinere Ausbaumaßnahmen archivtechnisch vorbereitet werden. Danach wird ein großzügiger angelegter Benutzerraum es hoffentlich ermöglichen, gegebenenfalls auch größere Gruppen im Archiv zu empfangen.

Ausstellungen:

Im Auftrag der Gleichstellungsstelle der Geseker Stadtverwaltung wurde, begleitend zu der Geseker Hauptveranstaltung des internationalen Frauentages, am 8. März eine Ausstellung - zusammengestellt aufgrund von Archivmaterial und neueren Statistiken - im Foyer vor dem kleinen Festsaal des Gymnasium Antonianum unter dem Titel "Hausfrau-Karrierefrau? - Rückblicke auf Frauenrollen zwischen Beruf und Haushalt in Geseke" gezeigt.

Nach Abschluss der Umbaumaßnahmen im Verwaltungsgebäude in der Martinsgasse stellte sich am 14. September die Stadtverwaltung den Geseker Bürgern offiziell vor. Zu diesem Anlass wurde vom Stadtarchiv eine kleine Ausstellung erstellt, die einige Tage im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes gezeigt wurde und die in einer Chronik die Bau- und Nutzungsgeschichte dieses Gebäudes vom 19. Jahrhundert bis heute, begleitet von vielen Fotographien und Plänen, darstellte.

Im Rahmen eines Tages der offenen Tür stellte sich und seine Leistungen das Hospital zum Hl. Geist am 25. Oktober in Geseke vor. Neben den interessanten hospitalseigenen Aktionen konnte das Stadtarchiv im Auftrage des Krankenhausfördervereins - der übrigens selbst auch eine reich bebilderte broschierte Geschichte des Hospitals im Druck heraus brachte - seinen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung beitragen, indem auf vier Ausstellungstafeln die Chronik der Einrichtung seit ihrer Gründung im Jahre 1374 bis zu den Aktionen des Jahres 1997 auch mit Bildern und Zeitungsartikeln aufgezeigt wurde. Diese Tafeln sollen, so die Absicht der Krankenhausverwaltung, auch künftig in den Räumen des Hospitals zu besichtigen sein.

Neuerwerbungen, Schenkungen, Leihgaben:

Ebenso wie andere Stellen der kommunalen Verwaltung muss auch das Stadtarchiv sparsam wirtschaften. Daher vermehrte sich der Buchbestand der Archivbibliothek dieses Jahr nur um wenige Titel. Immerhin konnte noch der letzte Band "Fortschritte und Schlußbilanz" der bereits in den 30er Jahren begonnenen Reihe "Der Raum Westfalen" angekauft werden. Im Zuge des Schriftentausches übersandten dankenswerterweise einige westfälische Archive ihre jüngst erschienen Publikationen. Ein Exemplar der u.a. auch aus Geseker Archivbeständen erarbeiteten und mit einem dritten Preis beim Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten (Körberstiftung) 1996/97 ausgezeichnete Arbeit von Melanie Nolte und Victoria Schulze wurde der Archivbibliothek als Belegexemplar ebenso übergeben wie das neueste genealogische Werk von Wilfried Tilles, Familienbuch der Nachfahren von Conrad Christoph Marx und Agnes Elisabeth Hasse. Die Zeitungs- und Zeitschriftenbandreihen wurden ergänzt, beispielsweise Geseker Zeitung 1997 (gebunden), Geseker Heimatblätter (ungebunden), Westfälische Zeitschrift sowie die auch wieder Geseker Beiträge enthaltenden Bände "Heimatkalender des Kreises Soest" und "Jahrbuch Westfalen".

Die bestehenden Deposita (Bestände, die als Dauerleihgaben im Archiv aufbewahrt werden) konnten um einzelne Stücke aus privatem Besitz ergänzt werden. Den Leihgebern soll dafür an dieser Stelle besonders gedankt werden.