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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 1998

Das Jahr 1998 stand überwiegend im Zeichen des Umzuges des Geseker Stadtarchivs in neue Räumlichkeiten. Seit dem 6. Juli 1998 bis einschließlich 12. Januar 1999 war diese Einrichtung für die Öffentlichkeit geschlossen.

Das Stadtarchiv ist nun in der obersten Etage der ehemaligen Realschule, Ostmauer 2, über den Räumen der jetzigen Dr.-Adenauer-Grundschule, untergebracht. Der eigentliche Archiveingang befindet sich auf der Rückseite des Schulgebäudes, also auf der "Bachseite" und ist damit von der Innenstadt aus sowohl über die Straße Ostmauer als auch bequem über den Fuß- und Fahrradweg vorbei an "Pastors Hölzchen" zu erreichen. Dort ist auch eine aus Sicherheitsgründen mit einer Gegensprechanlage und automatischem Türöffner verbundene Klingel angebracht.

Jedem der in den vergangenen Jahren das Stadtarchiv Geseke in seinem bisherigen Domizil, dem Böddeker Hof, besucht hatte, waren die beengten Platzverhältnisse bekannt, unter denen zum Schluss Archivbenutzer und Archivarin arbeiten mussten. Archivmaterial und Bücher stapelten sich bereits in den Fluren und ließen nur einen schmalen "Trampelpfad" frei. Das Archiv "platzte" förmlich "aus allen Nähten". Ein Werkraum zum Reinigen, Umbetten und Sortieren des Archivgutes und ein staubfreier, heller, ruhiger Lesesaal für die Benutzer fehlten ebenso wie sanitäre Einrichtungen.

Dann wurde durch die in den vergangenen Jahren erfolgte Zusammenlegung zweier Hauptschulen und den Umzug der Realschule in das Schulzentrum West, ein Gebäude frei, in dem - auch nach Beratung durch das Westfälische Archivamt in Münster - eine ganze Schuletage zu Archivzwecken bestimmt werden konnte.

Das neue Archiv verfügt über drei große Magazinräume und einen kleinen Werkraum, der durch eine Zwischentür von dem Bereich abgeschlossen ist, der den Archivbesuchern zugänglich ist. Diese wiederum werden von dem großen, hellen Lesesaal profitieren, in dem ihnen neben den Mikrofichelesegeräten, eine Handbibliothek und vier Schreibtische zur Verfügung stehen. Denn in den vergangenen Jahren bereitete die Unterbringung größerer Benutzergruppen stets Probleme, z. B. Vereine, die anlässlich einer Archivbesichtigung einen einführenden Vortag zum Archivwesen hörten oder ganze Schulklassen, die im Rahmen eines Projekttages im Archiv arbeiteten. Dieser Raum sowie das dahinter liegende und mit dem Lesesaal durch eine Tür und zwei Sichtfenster verbundene Büro der Archivarin erlauben dem Archivbenutzer Sichtkontakt und auch dann ein störungsfreies Arbeiten, wenn gleichzeitig mit weiteren Besuchern ein persönliches Beratungsgespräch im Büro geführt wird oder die zum normalen Dienstbetrieb gehörenden Telefongespräche erledigt werden müssen.

Die großen Flure des ehemaligen Schulgebäudes sind darüber hinaus ein geeigneter Notstauraum, falls in späteren Jahren die Raumkapazität der jetzigen Magazinräume nicht ausreichen sollte. Vor allem aber bieten diese Flure die Möglichkeit, in ihnen kleinere Archivausstellungen bzw. Ausstellungen anderer Stadtverwaltungsabteilungen zu zeigen.

Die Öffnungszeiten des Stadtarchivs sind übrigens unverändert Montag bis Donnerstags 8.30 bis 12.00 und 14.00 bis 16.00, donnerstags bis 18.00 Uhr. Freitags ist geschlossen. Das Stadtarchiv kann wie bisher unter der Telefon-Nr. 78137 erreicht werden. Eine Voranmeldung ist nicht vorgeschrieben aber sehr sinnvoll, da sich das vom historischen Archiv abgetrennte Zwischenarchiv wie bisher im Alten Rathaus befindet und daher immer wieder auch dienstliche Arbeiten außerhalb der Räume an der Ostmauer erledigt werden müssen.

Archivalienfund:

"24. August 1696. Ist das stalper baurgericht altem herkommen nach auffen schüttnhagen vor der oistpforten als gewohnlichen platz gehalten...", so beginnt eine der ältesten Niederschriften in dem Stalper Bauerschaftsbuch, in dem die Protokolle der Bauerschaftsgerichtssitzungen in den Jahren 1696 bis 1713 eingetragen wurden. Dieses Bauerschaftsbuch galt jahrzehntelang als verschollen. Josef Lappe, Die Bauerschaften der Stadt Geseke, Breslau 1908, hat es als das zu seiner Zeit schon älteste erhaltene Stälper Protokollbuch noch im Quellenverzeichnis seiner Publikation aufgeführt. Als Lagerort nennt er das Stadtarchiv Geseke. In dem vom Landesarchivrat Dr. Wolfgang Leesch in den Jahren 1954/55 angelegten Findbuch für das Stadtarchiv Geseke wird in einer Fußnote bedauert, das "von den von Josef Lappe ... aufgeführten Bauerschafts- u. Hudebüchern ... leider die in Lappes Besitz befindlichen fast sämtliche nicht mehr aufzufinden" sind. Aus den mit diesem Bauerschaftsbuch mitaufgefundenen handschriftlichen Exzerpten kann geschlossen werden, dass sich das Protokollbuch zumindest später in Händen eines jetzt schon lange verstorbenen Heimatforschers befand, der es zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach 1955 und vor 1983 wieder in städtische Räumlichkeiten zurückbringen ließ. Dies legt jedenfalls der Fundzusammenhang nahe. Das Protokollbuch ist bis auf den losen Originalband und ein paar ausgelöste Seiten in einem erstaunlich guten Zustand. Leider hat eine neuzeitliche Hand mit Tinte, Bleistift und Buntstift eigene Anmerkungen und Korrekturen eingetragen! Erst die mit dem Umzug des Stadtarchivs möglich gewordenen Reinigungs- und Sichtungsarbeiten führten zur Wiederauffindung dieser für die Geseker Stadtgeschichte so wertvollen Archivalie.

Benutzerstatistik:

Eine Statistik zur Zahl der Besucher aufzustellen, die das Stadtarchiv im Jahr 1998 aufsuchten bzw. als Angehörige der Stadtverwaltung ihren Rechercheauftrag telefonisch erteilten, erschien nicht sinnvoll, da das Archiv gut ein halbes Jahr wegen der Umzugsarbeiten geschlossen war. Die telefonische Benutzerberatung wurde ebensowenig erfasst wie die Zahl der schriftlichen Anfragen, obwohl beide Aufgaben nach Möglichkeit auch neben den Umzugsvorbereitungen erledigt wurden.

Vortrag/Arbeitstreffen:

1998 wurde das Jubiläum "350 Jahre Westfälischer Frieden" gefeiert. Der seit 1994 bestehende Arbeitskreis der Archivare und Archivarinnen des ehemaligen kurkölnischen Herzogtums Westfalen traf sich auf Einladung des Stadtarchivs aus diesem Anlass am 18. Februar zu einer Arbeitstagung in Geseke. Gemeinsam mit dem Westfälischen Archivamt, Münster, (Dr. Gunnar Teske und Dr. Horst Conrad als Herausgeber) bereitet der Arbeitskreis unter dem Titel "Sterbzeiten". Quellen zum Dreißigjährigen Krieg im Herzogtum Westfalen (Westfälische Quellen und Archivpublikationen, 22) eine gemeinsame Publikation vor, die 1999 erscheinen wird. Darin werden auch Quellen aus dem Stadtarchiv Geseke zu finden sein.

Ein aus den im Archiv vorhandenen Quellen und Literatur erarbeiteter kurzer Vortrag über "Störmede und Geseke in der Zeit des 30jährigen Krieges" sollte anlässlich des gut besuchten Störmeder Schnadganges am 21. Mai während einer Rast die anwesenden Grenzgänger über lokale Kriegsgeschehnisse informieren.

Ausstellung:

Auch Archivalien gehen gelegentlich auf Reisen. Vom 16. Januar bis 8. März 1998 zeigte das Diözesanmuseum in Paderborn die Ausstellung "Denn Eure Augen sehen. Das Verner Gnadenbild in Geschichte, Kunst und Frömmigkeit". Im Rahmen dieser Ausstellung wurde aus dem Bestand des Stadtarchivs auch eine Grenzkarte des Geseker Gebietes von 1669 gezeigt, die für den Grenzvergleich zwischen Kurköln und Paderborn erstellt worden war (Archivsignatur: Geseke A XXIV, 4) und in der der frühere Prozessionsweg von Geseke nach Verne eingetragen ist. Dies ist übrigens die älteste, im Geseker Archiv vorhandene Karte.

Verbesserung der technischen Ausstattung:

Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. am 27. Februar wurde der Stadt Geseke ein Reprostativ mit Kamera als Dauerleihgabe überreicht, die Frau Maria Straub, bekannt als Autorin der Geseker Heimatblätter, aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes, Günther Straub, für archivische Zwecke zur Verfügung gestellt wissen wollte. Günther Schraub, der in seinem Hobby nahezu professionelles Geschick entwickelte, hatte seine Fähigkeiten als Fotograf viele Jahre ehrenamtlich Heimatverein und Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Frau Maria Straub soll hiermit nochmals herzlich gedankt werden.

Die Geseker Zeitung der Jahre 1892 bis 1972 wurde schon vor einigen Jahren auf Mikrofiches verfilmt und konnte seitdem im Archiv mit Hilfe eines Mikrofichelesegerätes eingesehen werden. Dank der Großzügigkeit von Herrn Ulrich Brand, der im Frühjahr 1998 zwei gebrauchte Lesegeräte dem Archiv spendete, stehen nun insgesamt drei Geräte den Benutzern zur Verfügung, was besonders dann vorteilhaft ist, wenn sich größere Schülergruppen im Zuge von Projektwochen oder Schülerwettbewerben einfinden. Auch Herrn Brand sei an dieser Stelle besonders gedankt.

Für Geseke endeten die militärischen Kriegshandlungen mit dem Einmarsch der Amerikaner in den hiesigen Raum in den Morgenstunden des 1. April 1945. An das Kriegsende in der Stadt Geseke und im Amt Störmede erinnerte die Ausstellung, die vom Stadtarchiv in Verbindung mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V. in den Räumen des Hellweg-Museums ab 10. Mai 1995 gezeigt wurde. Aufgrund des regen Besucherinteresses - insgesamt 702 Ausstellungsbesucher wurden gezählt - wurde sie bis zum 5. Juli verlängert. Auf die Aufrufe vom Januar und Februar '95 in der örtlichen Presse meldeten sich zahlreiche Zeitzeugen bzw. deren Nachkommen. Ihre Schilderungen, dazu Auszüge aus Schulchroniken, zahlreiche Fotografien der kriegszerstörten Gebäude, die Auszüge aus städtischen Akten und Amtsdrucksachen sowie einige zeittypische Gegenstände sollten zum Erinnern und kritischen Nachempfinden anregen. Besondere Betroffenheit erweckte bei den Besuchern der Ausstellungsteil, der von Herrn Reinhard Marx gemeinsam mit dem Arbeitskreis "Geschichte der Juden in Geseke" gestaltet, sich mit dem Schicksal der Geseker Juden und ihrer Nachkommen während des Krieges und nach Kriegsende beschäftigte. Von ehemals mindestens 67 jüdischen Mitbürgern vor 1933 lebte bei Kriegsende bedingt durch Tod im KZ, Emigration oder ein sonstiges schweres Schicksal kein einziger mehr in Geseke.

Neuerwerbungen, Schenkungen, Leihgaben:

Auch in Zeiten knapper Kassen konnte die Archivbibliothek um einige Titel vermehrt werden. Angekauft werden konnten beispielsweise die wichtigen Veröffentlichungen L. Schütte, Der Dreißigjährige Krieg und der Alltag in Westfalen (1998) oder A. Neuwöhner, Im Zeichen des Mars (1998) und G. Teske, Bürger, Bauern, Söldner und Gesandte (1997) sowie eine Hansegeschichte. Als Belegexemplar erhielt die Bibliothek unter anderem von Richard Stratmann die Festschrift "Steinhausen und sein Schützenwesen" (1998), zwei Beiträge zum Störmeder Platt von Josef Schulte und den schönen Katalog zu der oben bereits erwähnten Paderborner Ausstellung zum Verner Gnadenbild. Ihre Arbeit dem Archiv zur Verfügung zu stellen, haben die fünf Schülerinnen der Klasse 6a des Gymnasiums Antonianum versprochen, die im Dezember 1998 als Teilnehmerinnen eines vom Westdeutschen Rundfunk und dem westfälischen Heimatbund ausgerichteten Geschichtswettbewerbes zum Dreißigjährigen Krieg einen Anerkennungspreis erhielten.