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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 1999

Seit nun mehr als einem Jahr befindet sich das Stadtarchiv Geseke, nach der in der zweiten Jahreshälfte 1998 erfolgten halbjährigen Schließung und dem Umzug in die neuen Räume an der Ostmauer 10, in der obersten Etage im Gebäude der Dr. Adenauer-Grundschule (dem früheren Realschulgebäude). Die neuen Archivräume und ihre Ausstattung wurden bereits in diesen Blättern im Jahresbericht des Archivs für das Jahr 1998 ausführlich beschrieben (vgl. Geseker Heimatblätter Nr. 425 (1999) S. 172 - 175). Wenn man der häufig geäußerten freundlichen Beurteilung glauben will, stellen die jetzigen Räumlichkeiten in jeder Hinsicht eine Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten nicht zuletzt für die Archivbenutzer dar, wenn auch von einigen (erstaunlicherweise meist jüngeren) Besuchern scherzhaft das Fehlen eines Personenaufzuges beklagt wurde.

Wiedereröffnung des Stadtarchivs und Ausstellung 1999:

Statt eines zu diesen Anlässen, nämlich die Wiedereröffnung eines Archivs, sonst üblichen "Tages der offenen Tür" wurde eine Veranstaltungsform gewählt, die auch den Besucher anzuziehen versprach, der sonst nicht den Weg in das Stadtarchiv findet oder ohne Anlass eine Besichtigung der neuen Räume so schnell nicht unternommen hätte, nämlich eine in Kooperation mit anderen Veranstaltungspartnern aus Verwaltung und Öffentlichkeit gezeigte nichtarchivische Ausstellung.

Die Ausstellung "Jacke wie Hose - Frauenarbeit in den weltweiten Bekleidungsfabriken" wurde in der Zeit vom 13. Januar bis einschließlich 9. Februar 1999 gezeigt. Die Wanderausstellung, die zuvor schon in vielen Städten der Bundesrepublik zu sehen war, war von Frau Ingrid Neschen im Rahmen ihrer Tätigkeit als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Geseke in die Hellwegstadt geholt worden. Aus arbeitstechnischen und inhaltlichen Gründen wurde dabei die Kooperation von Stadtarchiv, "Eine-Welt-Laden e.V." und der Volkshochschule Möhne-Lippe angestrebt und erfolgreich praktiziert. Ursprünglich konzipiert wurde die Ausstellung vom "Informations- und Kulturbüro Solidarische Welt Vamos e.V." aus Münster, wobei am Geseker Veranstaltungsort die fertigen Ausstellungstafeln um Informations- und Anschauungsmaterial sowie um einen thematisch passenden zwanzigminütigen Videofilm aus dem Fundus des Vereins "Eine-Welt-Laden" ergänzt wurden. Nach Voranmeldung führten zwei engagierte Mitglieder dieses Vereins, Frau Maria Weiß und Frau Doris Hoffmann, sachkundig Gruppen durch die Ausstellung. Abendtermine und die nachmittäglichen Sonderöffnungszeiten des Stadtarchivs an vier Sonntagen ermöglichten Berufstätigen und Auswärtigen auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten den Besuch. An den Wochenendterminen stand neben der Stadtarchivarin Evelyn Richter als "Hausherrin" die Gleichstellungsbeauftragte Ingrid Neschen als fachliche Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Noch ein Wort zum Veranstaltungsort Stadtarchiv: Er wurde von den nichtarchivischen "Veranstaltungsmachern" weniger wegen der historischen Bezüge - die es ja durchaus gibt - gewählt, sondern weil damit werktags und sonntags zugängliche, zentral gelegene und beaufsichtigte Räumlichkeiten, die gleichzeitig groß genug waren, 15 Schautafeln besucherfreundlich aufzustellen, neuerdings zur Verfügung standen. Von archivischer Seite aus sollte mit der Werbung für die Ausstellung die Öffentlichkeit auf den neuen Standort des wiedereröffneten Stadtarchivs aufmerksam gemacht werden, zumal der Besuch der Ausstellung auf Wunsch auch mit einer Führung durch das Archiv verbunden werden konnte. Das Ziel, die Öffentlichkeit an den neuen Archivstandort zu gewöhnen, wurde aus archivischer Sicht nicht zuletzt durch die umfangreiche Berichterstattung in den heimischen Presseorganen erreicht.

In der Zeit vom 13. Januar bis einschließlich 9. Februar 1999 (die Ausstellung wurde am 10. Februar mittags abgebaut) besuchten mindestens 282 Personen das Stadtarchiv und damit auch die Ausstellung. Gezählt wurden sowohl die Personen, die ausschließlich der Ausstellung wegen kamen, als auch diejenigen, die als Archivbenutzer die Ausstellung als zusätzliches Informationsmedium wahrnahmen.

Davon sahen sich 166 Personen als Teilnehmer einer von insgesamt 13 Gruppen die Ausstellung an, während mindestens 116 alleine oder zusammen mit einem Partner bzw. mit der Familie kamen. Ein Teil der Gruppen wünschte und erhielt eine Führung. Nicht alle Besucher kamen aus Geseke. Einige gaben an, extra wegen dieser Veranstaltung aus Lippstadt, Salzkotten und Wickede/Ruhr angereist zu sein. Auf besondere Einladung besuchten Vorstand und Beirat des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. am Abend des 9. Februar 1999 das neue Archiv, das wie die alten Räumlichkeiten, als Dauerleihgabe auch wieder das Vereinsarchiv beherbergen darf. Sowohl aus Sicht der Gleichstellungsstelle als auch aus der des Stadtarchivs konnte die Resonanz auf diese Ausstellung als voller Erfolg gewertet werden.

Benutzerstatistik:

Die Benutzerstatistik für das Jahr 1999 ist sehr erfreulich. Es suchten 589 Benutzer (1997: 303) das Archiv selbst auf bzw. erteilten als Angehörige der Stadtverwaltung teilweise den Rechercheauftrag telefonisch. Diese Zahl gliedert sich in die drei großen Benutzergruppen: Verwaltung mit 82 (1997: 70), Angehörige des Geseker Heimatvereins mit 32 (1996:67) und sonstige Besucher mit 475 (1997: 166) Benutzungen. Die telefonische Benutzerberatung wurde ebenso wenig erfasst wie die Beantwortung der - oft recht umfangreiche Recherchearbeit erfordernden - schriftlichen Anfragen. Als Vergleichsjahr wurde 1997 gewählt, weil 1998 aufgrund der langen Archivschließung keine relevante Benutzerstatistik erstellt werden konnte. Zu den Benutzern wurden auch die Besucher der Ausstellung gezählt, da diese oft beide Ziele bei ihren Besuch verfolgten, also Nutzung der Informationsmittel des Archivs und Ausstellungsbesichtigung. In der Zahl "sonstige Benutzer" können sich auch Mitglieder des Heimatvereins befunden haben, die irrtümlich nicht als solche gezählt wurden.

Arbeitstreffen/Tagungen:

Am Tage der Wiedereröffnung am 13. Januar 1999 tagte übrigens vormittags die Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Soest im Benutzersaal des Stadtarchivs.

Die Berufskolleginnen und Kollegen aus den Nachbararchiven waren eingeladen im Rahmen eines Treffens des Arbeitskreises der Archivare und Archivarinnen im Bereich des ehemaligen kurkölnischen Herzogtums Westfalen am 5. Februar das neue Stadtarchiv zu besichtigen, während der für den hiesigen Bezirk zuständige Vertreter des Westfälischen Archivamtes, Dr. Gunnar Teske, bereits am 15. Januar begrüßt werden konnte.

Zusammenarbeit mit Geseker Schulen und Schülerwettbewerb:

Die seit Jahren sich positiv gestaltende Zusammenarbeit mit den Geseker Schulen konnte auch 1999 fortgesetzt werden. Neu ist jedoch, dass nun ganze Schulklassen im Benutzersaal des Archivs untergebracht werden können, während früher aus Platzmangel nur kleine Schülergruppen gleichzeitig Zutritt hatten. Außer mehreren Schulklassen, die sich die Ausstellung ansahen, gestalteten ihren Unterricht im Stadtarchiv am 10. Juni 1999 die 23 Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Geschichte der Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums Antonianum mit ihrer Fachlehrerein Gudrun Kluge, am 20. Oktober 1999 18 Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Geschichte der Jahrgangsstufe 11 mit Fachlehrerin Zickfeld-Gräbe und gleich an mehreren aufeinanderfolgenden Montagen seit dem 8. November die Schüler der Computer-AG der Jahrgangsstufe 6 mit ihrem Lehrer, Herrn Krowartz, welche Bild- und Textmaterial für die Gestaltung einer Internetseite des Gymnasiums benötigten. Es ist erfreulich, dass neben Realschulschülern im Jahr 1999 auch einzelne Schüler der Geseker Hauptschule im Zuge von Projektwochen Informationen im Archiv suchten.

Ebenso erfreulich war, dass die beiden von ihrem Tutor und Geschichtslehrer Johannes Klarhold wohl betreuten Schülerinnen des Geseker Gymnasiums, Sandra Eisenhut und Lydia Maria Bode, mit ihrer Arbeit "Die Geseker Fußgängerzone - Ein Streitthema der Siebziger" bei insgesamt 1151 eingesandten Wettbewerbsbeiträgen einen stattlichen fünften Preis im bundesweiten, von der Körberstiftung getragenen Schülerwettbewerb "Deutsche Geschichte" um den Preis des Bundespräsidenten erringen konnten. Die beiden hatten sich vom Herbst 1998 bis Januar 1999 unter umzugsbedingt widrigen Umständen beharrlich auch so manche Stunde in alte Ausgaben der Geseker Zeitung vertieft. Ihnen sei an dieser Stelle nochmals zu dem schönen Erfolg gratuliert.

Technische Ausstattung:

Zu den regelmäßigen Aufgaben des Stadtarchivs gehört neben der Betreuung der historischen Bestände auch die Pflege des Zwischenarchivs, einer Art Altregistratur für jenes für das aktuelle Verwaltungshandeln voraussichtlich nicht mehr benötigte, aber aus gesetzlichen Gründen noch aufzubewahrende Schriftgut der Verwaltung. Weil das für die Verzeichnung des Zwischenarchivgutes benutzte Archivierungsprogamm beim Übergang zum Jahr 2000 Probleme zu bereiten drohte, wurden in der zweiten Jahreshälfte drei neue aufeinander abgestimmte Verzeichnisprogramme für den Archivcomputer angeschafft.

Da der Platz in den vorhandenen Archivregalen und -Schränken schon im Böddeker Hof nicht ausreichte, wurden zwei Planschränke für Karten und Pläne sowie weitere Regale für das historische Archiv und das im Keller der ehemaligen Realschule schon länger eingerichtete Zwischenarchivgutmagazin IV angekauft. Durch Umstellungen in der Hauptverwaltung wuchs der Umfang der abgegebene Altakten für das Zwischenarchiv im Jahre 1999 überdurchschnittlich an, so dass deren Verzeichnung auch noch im Jahr 2000 einen Arbeitsschwerpunkt bilden wird.

Neuerwerbungen und Schenkungen:

Die Bibliothek des Stadtarchives konnte durch Ankäufe und Buchspenden auch 1999 wieder erweitert werden. Zu den Neuerwerbungen gehören außer den bereits in verschiedenen Ausgaben der 1999 erschienen Geseker Heimatblätter besprochenen Werken unter anderem "Feuer an Dein Heiligtum gelegt. Zerstörte Synagogen 1938. Nordrhein-Westfalen, erarbeitet vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte, hrsg. v. Michael Brocke, Bochum 1999", der Ausstellungskatalog und der dazugehörige Textband zur 1999 in Paderborn gezeigten Ausstellung zur Kunst und Kultur der Karolingerzeit, ein besonders für Anfänger geeignetes Bändchen betitelt "Wir lesen deutsche Schrift, 10. Aufl. Leipzig 1989" und die antiquarisch erworbenen "Beiträge zur Geschichte der Stadt Geseke" von H. Kampschulte, Werl 1868. Die Periodika wurden wieder laufend ergänzt und die Geseker Zeitung in Zweimonatsbänden gebunden. Auch die Bibliothek des Vereinsarchives des Geseker Heimatvereins erhielt umfangreiche Zuwächse regionalgeschichtlich interessanter Literatur.

Zum Schluss sei noch besonders einer Geseker Bürgerin, Frau Edith Montag, gedankt, die dem Stadtarchiv ein in den Jahren 1936 - 1938 entstandenes "Werkstattwochenbuch" eines Lehrmädchens für das Schneiderhandwerk schenkte. Dieses Wochenbuch enthält neben den schriftlichen Berichten über die von dem Lehrling wöchentlich angefertigten Kleidungsstücke einige Handskizzen zur Bebilderung und stellt damit ein wertvolles Zeugnis für einen Aspekt Geseker Alltagsgeschichte dar. Ebenso sei - nur ohne namentliche Nennung - denjenigen gedankt, die 1999 Fotos, Festschriften und historische Prospekte dem Archiv - und damit allen historisch Interessierten - schenkten oder als Leihgabe dauerhaft überließen.