Das Stadtarchiv im Jahr 2000
Das Archivjahr 2000 war weniger durch öffentlichkeitswirksame Aktivitäten als durch die Erfüllung alltäglicher archivischer Kernaufgaben gekennzeichnet: So wurden zahlreiche Akten für das Zwischenarchiv aus der Stadtverwaltung übernommen bzw. verschmutzte Altakten aus konservatorischen Gründen gesäubert, die Eisenteile entfernt und in säurefreie Materialien umgebettet, eine intensive Benutzerberatung betrieben und archivische Auskünfte erteilt.
Benutzerstatistik:
Die Benutzerstatistik für das Jahr 2000 ist wieder sehr erfreulich. Es suchten 382 Benutzer (1999: 589) das Archiv selbst auf bzw. erteilten als Angehörige der Stadtverwaltung teilweise den Rechercheauftrag telefonisch. Damit wurden zwar weniger Besucher als im vergangenen Jahr gezählt, aber es ist dabei zu bedenken, dass in der Besucherzahl des Jahres 1999 auch 282 Personen mitgezählt wurden, welche die gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Ingrid Neschen veranstaltete Ausstellung zur Archivwiedereröffnung besuchten. 1997, also dem letzten Jahr vor dem Archivumzug, wurden übrigens "nur" 303 Benutzer gezählt. Die Benutzerzahl des Jahres 2000 gliedert sich auf in die drei großen Benutzergruppen: Verwaltung mit 111 (1999: 82), Angehörige des Geseker Heimatvereins mit 53 (1999: 32) und sonstige Besucher mit 218 (1999: 475) Benutzungen. Die telefonische Benutzerberatung wurde ebenso wenig erfasst wie die Beantwortung der - oft recht umfangreiche Recherchearbeit erfordernden - schriftlichen Anfragen.
Hilfskräfte und Praktikanten
Über Arbeitsmangel kann im Archiv wirklich nicht geklagt werden. Daher war die Hilfe der drei Schüler/innen der Geseker Realschule, nämlich Stefanie Hohaus, Daniel Pott und Linda Rau, die im Rahmen eines Schulpraktikums im Januar und Februar jeweils für eine Woche im Stadtarchiv die Zeitungsausschnittsammlung bearbeiteten, hochwillkommen. Nicht minder willkommen war die Mitarbeit von Frau Lydia Holin, welche von Ende März bis Anfang Mai als Ergänzung einer beruflichen Fortbildungsveranstaltung ein Praktikum in Verwaltung und Archiv absolvierte. Irina Gelt, Schülerin an der Edith-Stein-Schule, war eine besonders große Hilfe, als sie im September im Zuge ihres Schulpraktikums innerhalb von zwei Wochen, die umfangreiche Amtsdrucksachensammlung neu ordnete und erstmalig nach dem Archivumzug wieder aufstellte.
Zusammenarbeit mit Geseker Schulen und Schülerwettbewerb
Am 1. September 2000 begann der von der Körberstiftung zum 17. Mal ausgeschriebene Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten (Einsendeschluss: 28. Februar 2001). Das Thema lautete "Genutzt - geliebt - getötet. Tiere in unserer Geschichte". Da inzwischen ein bei der Stiftung eingereichter Wettbewerbsbeitrag von den Schülern und Schülerinnen auch auf freiwilliger Basis zur Verbesserung der Note im Fach Geschichte bei den jeweiligen Schulen genutzt werden kann, haben sich 2000 besonders viele Jugendliche zur Teilnahme am Wettbewerb entschlossen. Deshalb war der Anteil der Schüler an der Zahl der Archivbenutzer im vergangenen Jahr noch höher als sonst. Aber auch ganze Schulklassen haben sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts wieder allgemein über die Arbeitsmöglichkeiten im Archiv informiert.
Veröffentlichungen und Vorträge
Am 8. April 2000 feierte der Geseker Heimatverein sein 75-jähriges Bestehen und brachte aus diesem Anlass auch eine interessante Festschrift heraus, die sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen des Vereins und seiner Geschichte beschäftigt. Da sich das Archiv des Geseker Heimatvereins als Dauerleihgabe im Stadtarchiv befindet, konnte in der Festschrift eine erstmals aus diesen Unterlagen geschöpfte kurze Abhandlung zur Geschichte des Vereinsarchives veröffentlicht werden.
Die vom Arbeitskreis der Archivare und Archivarinnen im Bereich des ehemaligen kurkölnischen Herzogtums Westfalen in mehrjähriger Arbeit gemeinschaftlich zusammengestellte und von Horst Conrad und Gunna Teske (Westfälisches Archivamt) herausgegebene Quellenpublikation "Sterbzeiten. Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Westfalen. Eine Dokumentation" konnte am 24. Oktober 2000 in Arnsberg der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Geseke ist mit aufschlussreichen Quellen aus dem Stadtarchiv und z.T. aus dem Staatsarchiv Münster in dieser Veröffentlichung sehr gut repräsentiert.
In der Hauptausschusssitzung des Rates vom 19. Oktober 2000 wurde nach einem Vortrag der Stadtarchivarin in öffentlicher Sitzung die Rolle der früheren Stadtverwaltung Geseke und die des Amtes Störmede in der Zwangsarbeiterfrage kritisch diskutiert - die Geseker Zeitung berichtete darüber. Zuvor waren in mehrwöchiger Arbeit die maßgeblichen Unterlagen im Geseker Archiv gesichtet worden.
Verbesserung der technischen Ausstattung
Seit neuestem verfügt das Stadtarchiv über einen eigenen Internetanschluss per Modem. Im Verlauf des Jahres 2001 wird jedoch auf ISDN umgestellt werden. Dann wird das Archiv auch über eine separate E-Mail-Adresse verfügen, die 2001 noch in der Tagespresse bekannt gegeben wird. E-mail-Anfragen erreichen das Archiv derzeit über die allgemeine E-Mail-Adresse der Stadtverwaltung, nämlich
stadtarchiv@geseke.de . Wer sich einen ersten Überblick über die Bestände des Stadtarchivs und die Aktivitäten vergangener Jahre verschaffen möchte, findet unter
www.geseke.de - Link Stadtinformation - Link Stadtarchiv - oder auch unter
www.archive.nrw.de über die Liste der Kommunalarchive erste Hinweise.
Neuerwerbungen und Schenkungen
Auch für das Jahr 2000 soll an dieser Stelle die Gelegenheit genutzt werden, all denjenigen großen Dank auszusprechen, die dem Archiv als Schenkung oder als Dauerleihgabe für die Stadtgeschichte interessante Unterlagen übergeben haben. Ihre Bitte um Anonymität wird hiermit respektiert. So wurden dem Stadtarchiv unter anderem ein Protokollbuch der Geseker Werkjugend aus den dreißiger Jahren, alte Amtsdrucksachen des Altkreises Lippstadt, Ergänzungsexemplare für die Zeitungssammlung, aber auch diverse Festschriften und mundartliche Wörterbücher geschenkt. Auch für die Archivbibliothek konnten Neuerwerbungen wie z.B. die Rüthener Stadtgeschichte, Literatur zur Zwangsarbeiterbeschäftigung in der Zeit des Nationalsozialismus und das Westfälische Urkundenbuch Bd. XI angekauft werde. Das im Stadtarchiv deponierte und ohnehin schon sehr reichhaltige Vereinsarchiv des Geseker Heimatvereins wurde erneut um eine große Anzahl ortsgeschichtlicher Literatur ergänzt.