

Die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtarchiv und Geseker Heimatverein hat sich wohl auch außerhalb von Geseke herumgesprochen. Daher wurde die Verfasserin vom Westfälischen Archivamt in Münster, gebeten, auf dem Westfälischen Archivtag in Menden am 13./14. März 2001 eine Vortrag unter dem Titel "Kooperation statt Konfrontation. Die Zusammenarbeit zwischen Stadtarchiv und Heimatverein Geseke - Ein Erfahrungsbericht" zu halten.
Der Vortrag kann jetzt nachgelesen werden in der Zeitschrift "Archivpflege in Westfalen und Lippe", Heft 55, 2001, S. 18-22.
Am 19. Mai vergangenen Jahres wurde in Deutschland angeregt durch den Berufs- und Fachverband "Verband deutscher Archivarinnen und Archivare" erstmals ein "Tag der Archive" begangen. Ungefähr 500 Archive verschiedener Sparten öffneten sich an diesem Samstag bundesweit der Bevölkerung. Alle Interessierten sollten die Möglichkeit erhalten, sich ungezwungen über die Aufgaben und Angebote von Archiven zu informieren sowie einmal einen "Blick hinter die Kulissen" werfen zu können, also Gelegenheit haben, die Bereiche zu besichtigen, die normalerweise aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich sind. An der insgesamt gelungenen Aktion nahm auch das Geseker Stadtarchiv teil. Obwohl zeitgleich eine ebenfalls sehr attraktive Veranstaltung im Stadtzentrum stattfand, besuchten an diesem Tag doch immerhin 18 Personen das Geseker Stadtarchiv, wovon ein Teil überhaupt das erste Mal diese Räumlichkeiten kennen lernte.
In der Zeit von 6. bis zum 23. April wurde die Geseker Bevölkerung gebeten, nachdem sie zuvor durch entsprechende Artikel in der lokalen Presse dazu eingeladen worden war, im Rahmen einer Fragebogenaktion anonym ihre Meinung zur den Leistungen des Archivs, der Betreuung, dem Auskunftsdienst, den Räumlichkeiten und den Öffnungszeiten zu äußern. An sechs Stellen des Stadtgebiets wurden zu diesem Zweck Fragebögen ausgelegt und Stimmzettelbehälter aufgestellt. Der Fragebogen konnte aber auch über das Internet abgerufen werden. Das Auswertungsergebnis ließ einen hohen Grad an Zufriedenheit mit dem Archivgebäude und der archivischen Betreuung erkennen. Der detaillierte Bericht über Ziel, Durchführung und das Ergebnis der Befragung kann via Internet auf der Homepage der Stadt Geseke www.geseke.de unter der Stadtarchivseite als pdf-Datei eingesehen werden.
Am 22. November konnten im Rahmen einer auch für andere Interessierte offenen Veranstaltung der CDU-Frauengruppe Gruppe Geseke 12 Besucher/innen begrüßt werden, die nach einem kurzen Vortrag mit anschließender Führung durch die Magazinräume das Archiv besichtigten.
Fotokopierer gehören inzwischen zur Grundausstattung von Archiven, auch wenn aus konservatorischen Gründen keine Kopien von Archivalien angefertigt werden sollten. Dennoch gibt es Bereiche der archivischen Arbeit, deren Erledigung wie z. B. die Bearbeitung der Zeitungsauschnittsammlung oder Anfertigung von einzelnen Kopien aus den längst vergriffenen aber dennoch häufig nachgefragten Geseker Heimatblättern, das Vorhandensein eines gut funktionierenden Kopierers voraussetzen. So wurde denn auch im Frühsommer dieses Jahres die Anschaffung eines neuen Kopierers unabweisbar notwendig, nachdem das bis dahin trotz seines nahezu "biblischen Alters" noch immer im Gebrauch stehende Gerät endgültig funktionsuntüchtig geworden war.
Das Stadtarchiv ist neuerdings auch unter einer eigenen E-Mail-Adresse erreichbar, nämlich stadtarchiv@geseke.de . Für die ganz eilige Übermittlungen von Briefen und Texten direkt an das Archiv kann nun auch die neue Fax-Nr. 02942/98 76 99 angewählt werden.
Die Lebensdauer der Archivalien ist u.a. von den klimatischen Bedingungen ihrer Lagerräume abhängig. Um diese Bedingungen ständig kontrollieren und gegebenenfalls ungünstigen Temperaturen oder zu hoher bzw. zu geringer Luftfeuchtigkeit entgegen zu wirken zu können, wurden für die Magazinräume zwei neue Thermohygrographen als Messgeräte angeschafft.
Die aus Sicht der Forschung bedeutsamste Funktion von Archiven als zuverlässigen Bewahrern von originalen Quellen zur lokalen Geschichte wird auch dadurch erfüllt, das Überlieferungsgut auch aus nichtamtlicher Hand gerne übernommen wird. Daher ist es für alle geschichtlich Interessierten ein Gewinn, dass die als Dauerleihgaben (Deposita) im Stadtarchiv untergebrachten Archive der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1412. e.V., des Männergesangvereins Sängertreu und des Kulturringes Langeneicke-Ermsinghausen wiederholt um einzelne Archivalien ergänzt wurden. Mindestens ebenso erfreulich ist es, dass dem Archiv als Deposita erstmals Unterlagen des Geseker Verkehrsvereins sowie das Vereinsarchiv des Sauerländischen Gebirgsvereins Geseke e.V. übergeben wurden.
All denen, die die so genannte geschichtliche Sammlung mit diversen Unterlagen wie z.B. dem "Rennprogramm" zum 4. Seifenkistenrennen des Automobil- u. Motorrad-Clubs Geseke vom 22. Juni 1954, oder anderen Zeugnissen der Alltagsgeschichte zu ergänzen halfen, sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.
Um archivalische Quellen in ihren Aussagen richtig einordnen zu können, bedarf es allgemeinerer historischer Kenntnisse, die durch Fachbücher erworben werden können. Aus diesem Grunde wird die kleine Archivbibliothek (Präsenzbestand) nach Möglichkeit stetig um lokal- und regionalgeschichtliche Literatur durch Kauf oder Schenkung ergänzt. Im vergangenen Jahr konnten beispielsweise die Bde. 2 und 3 der neuesten Soester Stadtgeschichte, Soest 1995 und 1996, erworben werden. Sehr empfehlenswert ist auch der von Karl-Peter Ellerbrock und Tanja Bessler-Worbs herausgegebene Bd. "Wirtschaft und Gesellschaft im südöstlichen Westfalen", Dortmund 2001, oder die ebenso fundierte wie gut lesbar geschriebene Darstellung von Gisbert Strotdress, Fremde in Westfalen - Westfalen in der Fremde, Münster-Hiltrup 1996. Zu dem zur Zeit besonders aktuellen Thema "Zwangsarbeiter" konnte der von Wilfried Reininghaus und Norbert Reimann herausgegebene Aufsatzband "Zwangsarbeit in Deutschland 1939-1945. Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien", Bielefeld 2001, erworben werden. Ein wichtiges Hilfsmittel zum Verständnis von Archivalien wenigstens ab dem 17. Jahrhundert, die, wie beispielsweise die Geseker Rats- und Stadtgerichtsprotokolle, zahlreiche auch dem Altsprachler nicht immer unmittelbar verständliche rechtsförmliche Ausdrücke in lateinischer Sprache enthalten, stellt das ursprünglich von Samuel Oberländer, einem Rechtsgelehrten des 18. Jahrhunderts, herausgegeben "Lexicon Juridicum Romano-Teutonicum" dar, das 2000 von Rainer Polley in einem unveränderten Nachdruck der 4. Aufl. Von 1753 im Böhlau Verlag erneut herausgegeben wurde. Es steht nun auch dem Geseker Archivbenutzer zur Verfügung.