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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2002

Im vergangenen Jahr 2002 konnten wieder einige Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt werden, an die im folgenden Jahresbericht noch einmal erinnert werden soll. Dessen ungeachtet war das Alltagsgeschäft der archivischen Tätigkeit wie immer in der Hauptsache durch die Übernahme und Bearbeitung von Unterlagen für das Zwischenarchiv und das historische Archiv, dem archivischen Auskunftsdienst und der Betreuung der Benutzer vor Ort bestimmt.

Benutzerstatistik:

Während im Jahr 2001 - vermutlich in Folge einer lang anhaltenden sommerlichen Schönwetterperiode - ein auffallender Rückgang der Benutzerzahlen zu beklagen war, haben sich die Benutzungszahlen für das Jahr 2002 wieder erfreulich normalisiert. So suchten 2002 insgesamt 347 (2001: 267) Besucher das Stadtarchiv auf oder erteilten als Angehörige der Verwaltung ihren Rechercheauftrag telefonisch. Diese Zahl gliedert sich auf in die drei großen Gruppen Verwaltungsangehörige mit 91 (2001: 99), Angehörige des Heimatvereins mit 28 (2001: 33) und sonstige Besucher mit 228 (2001: 135) Benutzungen. Die telefonische Benutzerberatung wurde jedoch ebenso wenig statistisch erfasst wie die Beantwortung der – zum Teil ausgedehnte Recherchearbeit erfordernden – schriftlichen Anfragen per Brief oder E-Mail.

Veranstaltungen und Veröffentlichungen

Der zu Beginn des Jahres 2001 gegründete Arbeitskreis der Kommunalarchive im Kreis Soest trifft sich drei mal im Jahr unter dem Vorsitz der Kreisarchivarin Beatrix Pusch und unter Teilnahme des für den Kreis zuständigen Fachreferenten vom Westfälischen Archivamt in Münster, Dr. Gunnar Teske, in verschiedenen Archiven des Kreises zum fachlichen Gedankenaustausch und zur Bündelung gemeinsamer Aktivitäten. So konnte in der ersten Jahreshälfte 2002 der Arbeitskreis das Faltblatt „Vom Wert alter Papiere“ gemeinsam herausgeben, welches erste Anregungen geben möchte für Vereine, Verbände, Organisationen, Firmen, Hofesbesitzer und andere Privatpersonen zum Aufbau eines Archivs. Das Faltblatt (pdf-Dokument) ist bei den teilnehmenden Archiven, also auch im Geseker Stadtarchiv, zu erhalten.
Am 13. November trafen sich die Arbeitskreisangehörigen aus den Städten und Gemeinden Werl, Rüthen, Möhnesee, Soest, Lippstadt, Erwitte, Anröchte, Ense sowie die Archivarin der Warsteiner Brauerei im Geseker Archiv zu einer gemeinsamen Sitzung. Als Gastreferent hielt Diplomarchivar Klaus Pradler von der Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv in Dortmund (WWA) einen Vortrag zu dem Thema „Wirtschaftsarchivpflege im Bezirk IHK Arnsberg/Kreis Soest“. Klaus Pradler berichtete von der Tätigkeit des WWA in den vergangenen Jahren. Das 1941 gegründete WWA ist die regionale Dokumentationsstelle für die Wirtschaft in Westfalen und Lippe. Es betreut Archivgut von Unternehmen, Kammern, Verbänden und Persönlichkeiten der Wirtschaft und berät in allen Fragen der Archivpflege. Es pflegt darüber hinaus einen guten Kontakt zu den kommunalen Archiven, die als Archive vor Ort gelegentlich auch Archivgut der Wirtschaft betreuen.
Als Abschluss einer mehrjährigen berufsbegleitenden Weiterbildungsmaßnahme an der Fachhochschule Potsdam konnte die Archivleiterin im vergangenen Jahr 2002 eine ca. 120 Seiten umfassende Diplomarbeit zur „Geschichte des Stadtarchivs Geseke und seiner Bestände“ fertigstellen. Die Archivgeschichte wird darin in Verbindung mit der Verfassungsgeschichte der Stadt Geseke und des Amtes Störmede dargestellt. Die Arbeit soll im Verlauf des Jahres 2003 veröffentlicht werden und ist dann auch allgemein zugänglich.

Geseker Heimatblätter

Als besonderer Vertrauensbeweis und Zeichen für die gute Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V. darf gewertet werden, dass der Archivleiterin 2002 die Redaktion der Geseker Heimatblätter übertragen wurde, eine Aufgabe, die mit dem Erscheinen der Februarausgabe des Jahres 2003 auch praktisch übernommen wurde. Der bisherige Redakteur, Herr Hans Peter Busch, Geschäftsführer des Vereins und Stadtarchivar von Erwitte, sah sich zuletzt aufgrund seiner stark angestiegenen beruflichen Verpflichtungen und Übernahme weitere Aufgaben innerhalb des Vereins bedauerlicherweise nicht mehr in der Lage, diese Tätigkeit in gewohntem Umfange bewältigen zu können, bleibt aber erfreulicherweise den Heimatblättern auch weiterhin als Autor erhalten. Seine langjährige sehr engagierte und fachmännische Redaktionsarbeit – wir verdanken ihm die Ausgaben seit April 1996 bis zum Januar 2003 - soll jedoch an dieser Stelle hiermit nochmals ausdrücklich gewürdigt werden.

Zusammenarbeit mit den Geseker Schulen und Praktikanten

Die Zusammenarbeit mit den Geseker Schulen bildet seit Jahren im Rahmen der archivischen Kernaufgabe „historische Bildungsarbeit“ einen Arbeitsschwerpunkt des Stadtarchivs. Dieses Jahr besuchten drei Klassen aus verschiedenen Schulformen am 24. Januar (Gymnasium), am 11. Juni (Dr.-Adenauer-Grundschule) und am 7. November (Realschule) das Archiv, um dessen Informationsmöglichkeiten kennenzulernen. Einzelne Schüler und Schülergruppen nutzten darüber hinaus die archivischen Unterlagen zur Erstellung ihrer Facharbeiten.
Ein am Fach Geschichte und dem Archivarsberuf sehr interessierter Schüler des Gymnasiums Antonianum absolvierte in der Zeit vom 11. März bis zum 22. März ein Schulpraktikum im Stadtarchiv. Darüber hinaus leistete im Rahmen einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme eine Praktikantin vom 29. April bis zum 19. Juli 2002 ein Berufspraktikum ab. Sie bearbeitete insbesondere die Zeitungsausschnittsammlung und war im Archiv eine willkommene Hilfe.

Verbesserungen der technischen Ausstattung

Aus konservatorischen Gründen benötigen Archivalien geregelte Klimawerte in den Magazinräumen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten keinen größeren Schwankungen unterliegen. Da das Archiv bisher mit der Zentralheizung des Schulgebäudes verbunden gewesen war, somit in der kalten Jahreszeit von der aus finanziellen und Umweltschutzgründen sicherlich sinnvollen Temperaturabsenkung für Schulräume in unterrichtsfreien Zeiten leider ebenfalls betroffen war, entschloss man sich, in der Archivetage in der Zeit vom 16. bis 27. September 2002 eine separate Heizungsanlage mit Einzelraumregelung einzubauen. Schon in dieser ersten Heizungsperiode muss man nach Auswertung der erfreulichen Daten, die durch die 2001 beschafften Klimamessgeräte (Thermohygrografen) in den Magazinräumen ermittelt werden können, zu dem Ergebnis kommen, dass es sich dabei um eine überaus sinnvolle Maßnahme gehandelt hat. Dass das Archiv in der Einbauphase für den Benutzerverkehr vorübergehend geschlossen werden musste, wird sicherlich in diesem Zusammenhang in der Geseker Öffentlichkeit auf Verständnis gestoßen sein.
Die Pflege und Betreuung des Altaktenbestandes der Verwaltung im so genannten Zwischenarchiv zählt zu den Hauptaufgaben des Stadtarchivs. Ein Teil diese Akten wird nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist für Verwaltungsschriftgut zum eigentlichen Archivgut. Um später möglicherweise anfallende teure Restaurierungsmaßnahmen geschädigten Schriftgutes (Schimmelbildung, Rostfraß) zu vermeiden, muss auch für eine aus archivischer Sicht befriedigende Magazinierung des Zwischenarchivgutes, welches abgetrennt von den eigentlichen Archivgut in separaten Räumen gelagert wird, gesorgt werden. Zu diesem Zweck wurde Anfang Dezember 2002 in einem Kellermagazin ein Entfeuchtungsanlage eingebaut. Seitdem haben sich die Luftfeuchtigkeitswerte spürbar verbessert.
Seit vielen Jahren wird zur Textverarbeitung, zur Archivgutverzeichnung und neuerdings auch zur Pflege der Präsenz im Internet im Stadtarchiv ein PC eingesetzt. Um die bei der Tätigkeit des Archivs anfallenden Daten besser zu sichern, aber auch zur Erweiterung der Speicherkapazität wurde 2002 die EDV-Anlage im Archiv mit der der Stadtverwaltung vernetzt, so dass nun die archivischen Daten auf dem mehrfach gesicherten Server der Hauptverwaltung unter strikter Beachtung des Datenschutzes gelagert werden. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die unbegrenzte Aufbewahrung von zunehmend häufiger lediglich in elektronischer Form vorliegender Archivalien künftig erst ermöglicht wird. Denn das Nordrhein-Westfälische Archivgesetz von 1989 verpflichtet die öffentlichen Einrichtungen des Landes auch zur unbegrenzten Aufbewahrung ihres digitalen archivwürdigen Verwaltungsschriftgutes - freilich ohne dafür eine auch nur einigermaßen befriedigende technisch Lösungsmöglichkeit vorzuschreiben.
In diesem Zusammenhang hat das Archiv auch eine neue E-Mail-Adresse erhalten. Sie lautet: stadtarchiv@geseke.de.

Schenkungen und Ankäufe

Wenn auch nur in bescheidenem Ausmaße konnten dennoch auch 2002 für die Archivbibliothek einige regionalgeschichtliche Publikationen - käuflich oder als Schenkung - erworben werden. Darunter z. B. das Werk von Edgar Lüüs, Geheimer Baurat Professor Ludwig Schupmann aus Geseke – Architekt und Erfinder, Geseke 2002, die Publikation von Margit Naarmann, Eine „vernünftige“ Auswanderung. Geseke, Paderborn, Amerika: Aufstieg, Verfolgung und Emigration der Familie Grünebaum, Paderborn 2002 sowie die anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens erschienene Festschrift der St. Barbara-Kirche in Langeneicke. Aber auch der von Anna Lenze verfasste Band von Kindergeschichten, Ännchens zauberhafte Geschichten, Sendenhorst 2002, wurde als Produkt heimischen literarischen Wirkens in die Archivbibliothek aufgenommen. Aus privater Hand wurden der Stadt Geseke zwei schöne „Nachlässe“ zur dauernden Aufbewahrung geschenkt, die aber noch der Ordnung und Verzeichnung bedürfen und die zu einem späteren Zeitpunkt für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.
Allen denjenigen, die durch Schenkungen oder Leihgaben den Archivalien-, Sammlungs- und Bibliotheksbestand des Archivs bereicherten, soll an dieser Stelle hiermit herzlich gedankt werden.