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Mittwoch, 08.02.2012

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Das Stadtarchiv im Jahr 2003

von Evelyn Richter

Neben den archivischen Routinearbeiten wie Übernahme und Bearbeitung von Unterlagen für das Zwischenarchiv und das historische Archiv, dem archivischen Auskunftsdienst und der Betreuung der Benutzer vor Ort, gab es auch im Jahr 2003 eine Reihe von Aktivitäten und Ereignissen, über die im Folgenden berichtet werden soll.

Benutzerstatistik:

Im Vergleich mit dem Vorjahr ist die Zahl der Benutzungen im Jahr 2003 nahezu gleich geblieben, obwohl während der heißesten Wochen des vergangenen „Jahrhundert-Sommers“ sich kaum jemand zu einem persönlichen Archivbesuch entschließen konnte. So suchten insgesamt 343 Besucher (2002: 347) das Stadtarchiv auf bzw. erteilten als Mitarbeiter der Geseker Stadtverwaltung ihren Rechercheauftrag zum Teil auch auf telefonischem Wege. Die Gesamtzahl teilt sich auf in die drei großen Gruppen Verwaltungsmitarbeiter mit 101 (2002: 99), Angehörige des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. mit 34 (2002: 28) und Sonstige mit 208 (2002: 228) Benutzungen. Die telefonische Benutzerberatung wurde statistisch nicht extra erfasst, ebenso wenig wie die gelegentlich ausgedehnte Recherchearbeit erfordernde Beantwortung schriftlicher Anfragen. Bemerkenswert ist jedoch, dass immer mehr externe Benutzer (auch aus dem Ausland) auf elektronischem Wege, also per E-Mail, um Auskünfte ersuchen.

Veranstaltungen und Veröffentlichungen

Am 1. Oktober 1983 wurde mit Frau Monika Weissenfels, spätere Frau Ortmanns, die erste hauptamtliche Archivarin des Stadtarchivs Geseke, eingestellt. Im Jahr 2003 wäre somit das zwanzigjährige Bestehen, ein „kleines“ Jubiläum, des Stadtarchivs zu feiern gewesen. Eigentlich sollte zu diesem Anlass die bereits im Vorjahr angekündigte Publikation „Geschichte des Stadtarchivs Geseke und seiner Bestände“ der Öffentlichkeit vorgestellt werden, ein Termin, der leider nicht eingehalten werden konnte. Das Buch wird nun erst in der ersten Jahreshälfte 2004 erscheinen, also zwanzig Jahre nachdem das Archiv im Böddeker Hof durch einen „Tag der offenen Tür“ (1984) der Bevölkerung auch de facto zugänglich wurde.

Geseker Heimatblätter

Während Hans Peter Busch, Geschäftsführer des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. und seit 1996 Redakteur der Geseker Heimatblätter, noch dankenswerter Weise die Januar-2003-Ausgabe dieser Zeitschrift erstellen konnte, wurden die folgenden 11 Ausgaben vom Februar bis Dezember 2003 auf Wunsch des Vereins, dem Herausgeber, - und wie bereits im Frühjahr 2002 angekündigt - durch die Stadtarchivarin redaktionell betreut (bekanntlich ist statutengemäß der/die jeweilige Stadtarchivar/in zugleich Vereinsarchivar/in und damit Beiratsmitglied). Abweichend von dem in der Vergangenheit bisher üblichen Dreijahreszyklus werden dieses Mal die in den vier Jahren 2000 bis 2003 erschienenen 22 Ausgaben im Frühjahr 2004 in einem insgesamt 176 Seiten umfassenden gebundenen Sammelband durch den Verein für Heimatkunde Geseke e.V. erneut herausgegeben werden. Ab wann, wo genau und zu welchem Preis diese Bände käuflich zu erwerben sein werden, wird in der örtlichen Presse zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Nach einem Jahr redaktioneller Arbeit für die Heimatblätter darf man eine erste Zwischenbilanz ziehen und festhalten, dass sich diese Zusammenarbeit für beide Seiten – Heimatverein und Stadtarchiv – bewährt hat. Im Sinne des Vereins ist es, dass das Erscheinen dieser seit 1926 bestehenden historischen Zeitschrift, einer periodischen Publikation mit lokalem Themenschwerpunkt aber von durchaus überlokalem Interesse, weiterhin sichergestellt ist (natürlich auch Dank der Unterstützung des Verlages Laumanns, in dessen Tageszeitung „Der Patriot“ bzw. „Geseker Zeitung“ die einzelnen Ausgaben als Beilage abgedruckt werden!). Dem Stadtarchiv bietet die Verbindung mit der redaktionellen Arbeit die Chance, auch diejenigen zu einer Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse zu bewegen, die sich möglicherweise ursprünglich zu ganz anderen Zwecken mit den historischen „Schätzen“ des hiesigen Archivs beschäftigt haben. Dies ist im weiteren Sinne auch eine Möglichkeit, dem gesetzlichen Auftrag der Archive, ihr Archivgut nicht nur zu verwahren und zu erhalten, sondern auch zu erschließen und nutzbar zu machen (§ 10 des Archivgesetzes NRW), nachzukommen.

Zusammenarbeit mit den Geseker Schulen und Praktikanten

Wie in den vergangenen Jahren nutzten auch im Jahr 2003 Schüler und Lehrer der verschiedenen Geseker Schultypen intensiv die Informationsmöglichkeiten des Archivs, sei es, dass sie im Klassenverband eine allgemeine Einführung in die Tätigkeit eines Kommunalarchivs erhielten (dieses Jahr waren das allerdings nur zwei ganze Klassen), sei es dass sie als Schülergruppen Informationen für eine historische Projektarbeit recherchierten (mehrere Gruppen) oder dass einzelne Schüler sich für ihre sogenannte Facharbeit wiederholt ins Archiv begaben. Darüber hinaus hat vom 16. Juni bis zum 4. Juli und vom 22. September bis zum 6. Oktober je ein Schüler sein im neunten bzw. zehnten Schuljahr der Hauptschule übliches Berufspraktikum im Archiv absolviert.

Stand der Restaurierungsarbeiten

Seit mehreren Jahren - begonnen wurde bereits in den 1990er Jahren - wird einer der wichtigsten und ältesten Bestände des Stadtarchivs durch die Restaurierungsfachleute des Westfälischen Archivamtes, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, in Münster restauriert, nämlich die insgesamt ca. 34 Bände umfassende Reihe der Protokollbücher des kurfürstlichen Gogerichts in der Stadt Geseke von 1597-1749 (mit Bruchstücken aus den Jahren 1752 und 1764). Damit soll die Benutzung der schwer geschädigten Protokollbände wieder möglich gemacht und ihr Erhalt auch für die Zukunft gesichert werden. Der Bestand ist deshalb so bedeutsam, weil das ältere Archivgut städtischer Provenienz 1695 durch einen Rathaus- und Archivbrand nahezu gänzlich vernichtet wurde und die eigentlichen Ratsprotokolle erst in den 1670er Jahren beginnen. Die aufwendige (Anfaserungstechnik) aber in dieser Form unbedingt notwendige Restaurierung wurde in den vergangenen Jahren durch regelmäßige Zuschüsse des Archivamtes zur Begleichung der Restaurierungskosten möglich gemacht. Bis Ende 2003 konnten von dieser Reihe trotz knapper werdender städtischer Haushaltsmittel insgesamt 19 Bände unterschiedlicher Bandstärke restauriert werden.

Verbesserungen der technischen Ausstattung

Zugegeben, es ist wirklich nicht der neueste Stand der Technik! Und auch, um keine falschen Erwartungen zu wecken: Die Qualität der Kopien ist bestenfalls als gerade noch lesbar zu bezeichnen, zumal immer nur ein Ausschnitt einer Seite kopiert werden kann. Dennoch ist die Tatsache, dass erstmals überhaupt einzelne Ablichtungen von Artikeln der mikroverfilmten Bänden der Geseker Zeitung (1892-1972) hergestellt werden können, eine große Arbeitserleichterung für alle diejenigen, die diese Zeitung für ihre historischen Forschungen nutzen. Möglich wird dies durch ein recht betagtes Rückvergrößerungsgerät (Readerprinter), das das Stadtarchiv als Schenkung – darüber glücklich „in diesen geldlosen Zeiten“ - erhielt.

Ankäufe und Schenkungen

Sowohl die Bestände des Vereinsarchivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V., das sich bekanntlich als Dauerleihgabe im Stadtarchiv befindet, als auch die des Stadtarchivs selbst konnten 2003 wieder teils durch Ankäufe, Leihgaben und teils durch Schenkungen erweitert werden. Den freundlichen Spendern und Leihgebern beider Archive soll an dieser Stelle herzlich gedankt werden. Von den vielen Unterlagen, die sich neu z.B. im deponierten Teil des Archivs des Geseker Heimatvereins befinden, sei besonders ein mit zahlreichen Werbeanzeigen ausgestattetes „Adressbuch für die Stadt und den Kreis Lippstadt“ aus dem Jahre 1900 hervorgehoben, in dem sich neben einem alphabetischem Namensverzeichnis „mit Angabe des Standes und der Wohnung der Einwohner der Stadt Geseke“ ein Namensverzeichnis der Hauseigentümer (?) in den Orten des Amtes Störmede mit Berufsbezeichnung aber ohne Adresse findet. Noch interessanter ist möglicherweise das Verzeichnis „Gewerbetreibende und Handwerker der Stadt Geseke“ oder das „Verzeichnis der Hauseigenthümer der Stadt Geseke“.
altes Dokument über ein Adressbuch in einer Kaligraphie Schrift
Titelblatt des Adressbuchs für die Stadt und den Landkreis Lippstadt