Das Stadtarchiv im Jahr 2005
Das Stadtarchiv befindet sich in der obersten Etage der Dr.-Adenauer-Grundschule, Ostmauer 2. Der Zugang ist über den Schulhof auf der Rückseite des Gebäudes zu erreichen, links im Bild (Eingangstür verdeckt).
Foto: Stephanie Marks, Stadt Geseke.
Der Schwerpunkt der archivischen Tätigkeiten lag, wie zu erwarten, auch im Jahr 2005 wieder in der Übernahme und Bearbeitung von Unterlagen für das Zwischenarchiv und das historische Archiv, dem archivischen Auskunftsdienst und der Betreuung der Benutzer.
Benutzerstatistik:
Da sich das Benutzerverhalten in den letzten Jahren signifikant geändert hat, fließen in diesen Jahresbericht erstmals die Ergebnisse eines neuen Zählverfahrens ein, welches berücksichtigt, dass in Geseke immer mehr Besucher eine Anfrage per E-Mail oder Telefon formulieren, statt persönlich im Archiv zu recherchieren. Diese Rechercheaufträge wurden jetzt auch als Benutzung gezählt. Gleichzeitig wurde nur noch zwischen Benutzungen seitens der Mitarbeiter der Geseker Stadtverwaltung und Sonstigen (Wissenschaftler, Studenten, Heimatforscher, Genealogen, Schüler/innen usw.) unterschieden, während der Anteil der Mitglieder des Geseker Heimatvereins nicht mehr gesondert nachgewiesen wurde. Doch selbst wenn man das alte Zählverfahren zu Grunde gelegt hätte, so würde sich für das Jahr 2005 in sehr erfreulicher Weise feststellen lassen, dass weit mehr Besucher ins Archiv kamen bzw. mehr Benutzungen erfolgten als 2004! Es suchten 2005 insgesamt 394 Besucher (2004: 199) das Archiv auf oder erteilten schriftlich, fernmündlich oder per E-Mail einen Rechercheauftrag, davon erfolgten 142 (das sind gut 36 %) der Benutzungen (2004: 86) aus dienstlichen Gründen durch Verwaltungsmitarbeiter/innen, 252 waren sonstige Benutzungen (2004: 113). Von den insgesamt 394 Benutzungen wurden 259 Rechercheaufträge telefonisch, brieflich, per Mail oder mündlich erteilt, aber immerhin noch 135 Besucher kamen persönlich ins Stadtarchiv.
Zusammenarbeit mit Schulen
Wie immer wurde das Archiv auf Anregung der jeweiligen Fachlehrer durch die Schüler/innen der Geseker Schulen aber auch von einigen der Nachbarkommunen rege genutzt, sei es als Schulklasse aufgeteilt in Gruppen, sei es als Einzelpersonen, um archivisches Material im Zuge der sich über mehrere Monate hinziehenden Recherchen für die in Klasse 12 anzufertigende Facharbeit durchzuarbeiten. Diese Facharbeiten können zugleich auch als Wettbewerbsbeiträge des bundesweiten Schülerwettbewerbs Geschichte bei der Körberstiftung, Hamburg, eingereicht werden. Saskia Weitekamp, Schülerin des Gymnasiums Antonianums, gut vorbereitet durch ihre engagierte Geschichtslehrerin Gudrun Kluge, nutze diese Möglichkeit erfolgreich: Ihr konnte zu einem schönen fünften Preis gratuliert werden für ihre Arbeit „Übergang vom FAD (1932) zum RAD (1935). Mit dem Schwerpunktthema weiblicher RAD am Beispiel zweier Zeitzeuginnen aus der Region Geseke“! Als Tutor fungierte das Stadtarchiv Geseke. An diesem Wettbewerb hatten sich bundesweit 6000 Kinder und Jugendliche beteiligt, die zusammen insgesamt 1380 Forschungsarbeiten einreichten. Die Arbeit von Frau Weitekamp kann jetzt im Archiv eingesehen werden.
Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Geseke
Aus der Bevölkerung erreichte der Wunsch nach einem sogenannten „historischen Frauenspaziergang“ die Geseker Gleichstellungsbeauftragte Birgit Dobbels, die sich deshalb mit dem Archiv in Verbindung setzte. Nach intensiven Recherchen entstand eine zwei Aktenordner umfassende Materialzusammenstellung zu einzelnen historischen Geseker Frauen bzw. zu Stätten mehr oder weniger öffentlichen Wirkens von Frauen in der Stadt. Diese Zusammenstellung kann ab sofort im Stadtarchiv eingesehen werden. Der Termin für den geplanten historische Frauenspaziergang wird von Frau Dobbels noch in der örtlichen Presse bekannt gegeben.
Geseker Heimatblätter
Die vom Verein für Heimatkunde Geseke e.V. seit 1926 herausgegebenen „Geseker Heimatblätter“ werden seit Februar 2003 redaktionell durch das Stadtarchiv betreut. Im Jahr 2005 konnten wieder 10 Ausgaben als Beilage des „Der Patriot“ bzw. der “Geseker Zeitung“ erscheinen. Für deren reibungslose Realisierung ist neben dem Fleiß und hohem Niveau der wie immer unentgeltlich schreibenden Autoren, Frau Meyer von der Geschäftsstelle der Geseker Zeitung für Organisatorisches, Frau Pflug und besonders Frau Hapke in der Technik-Setzerei des Patriot für ihre Akribie in der grafischen Umsetzung der gelieferten Texte und nicht zuletzt dem Verlag Laumanns dafür, dass er diese über die örtlichen Grenzen hinaus gelesene Zeitschrift unentgeltlich veröffentlicht, besonders zu danken.
Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde Geseke e.V.
Der Jahresanfang 1591 bildet durch die Besetzung und Verwüstung Gesekes durch marodierende staatische Truppen unter dem Grafen Oberstein bekanntlich ein besonders tragisches Kapitel in der Geschichte der Stadt. Noch im September des selben Jahres gelangte auf der Frankfurter Buchmesse eine politische periodische Druckschrift zum Verkauf, die die Ereignisse aus Sicht der Geseker zeitnah der damaligen Öffentlichkeit weithin bekannt machte. Diese heute sehr seltene Schrift, eine sogenannte „Messrelation“ von Michael von Aitzinger aus dem Jahr 1591, wurde bereits 2004 vom Geseker Heimatverein angekauft und am 18. Oktober 2005 offiziell durch den Vereinsvorsitzenden Hubertus Kersting dem Stadtarchiv zur dauernden Aufbewahrung im dort deponierten Vereinsarchiv übergeben. Die lokalen Printmedien haben darüber ausführlich berichtet.
Stand der Restaurierungsarbeiten
Trotz knapper Haushaltsmittel konnte 2005 noch einmal wenigstens ein einzelner Band der in ihrem Erhaltungszustand stark gefährdeten Gogerichtsprotokollbücher in der Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Archivamtes restauriert werden, nämlich der im Findbuch mit der Signatur A XXXII 3, Bd. 3 verzeichnete und den Zeitraum 14. April 1680 bis 2. Juli 1682 umfassende Band.
Zwischenarchiv
Das Zwischenarchiv erhielt wie im Jahr davor auch 2005 überdurchschnittlich großen Zuwachs. Es beherbergt Akten der Stadtverwaltung, deren gesetzliche oder verabredete Aufbewahrungsfrist noch nicht abgelaufen ist, die aber für aktuelles Verwaltungshandeln voraussichtlich nicht mehr benötigt werden, dennoch bei unerwartetem Bedarf durch das Stadtarchiv schnell zur Verfügung gestellt werden müssen. Nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist soll von diesen Akten der historisch oder rechtlich relevante Teil in das historische Archiv übernommen werden. Für diesen Zweck wurde ein weiterer von inzwischen insgesamt fünf Kellerräumen (im Alten Rathaus am Teich und in der Dr. Adenauer-Grundschule) für archivische Zwecke baulich hergerichtet. Wenigstens zu einem kleinen Teil konnte er bisher - dank eines Zuschusses des Westfälischen Archivamtes - mit neu erworbenen Archivregalen bestückt werden.
Übernahmen, Ankäufe und Schenkungen
Die folgende Aufzählung ist keineswegs vollständig, soll jedoch einen ungefähren Eindruck vermitteln von der vielfältigen nichtamtlichen Überlieferungsbildung durch das Stadtarchiv im Jahr 2005:
Das Stadtarchiv sammelt u.a. die als Quelle für biographische Angaben oft besonders ergiebigen sogenannten Totenzettel, auch wenn diese neueren Datums sind. Die Sammlung ist zwar noch nicht sehr umfangreich (einige hundert Stück), wird aber häufig genutzt.
Totenzettel bilden eine wichtige Ergänzung der amtlichen Unterlagen, ja sind gelegentlich die einzigen Quellen, die zugänglich sind. Gut ein Dutzend dieser Totenzettel wurden 2005 dem Archiv geschenkt.
Die Bildsammlung erhielt ebenfalls einige Abbildungen geschenkt, u.a. zwei Postkarten mit historischen Ansichten der Stiftskirche.
Die Plakatsammlung konnte durch gezielte Bitten um Archivexemplare erweitert werden. Ebenfalls als Schenkung, zusammen mit einigen Druckwerken, erhielt das Archiv 2005 ein Rechnungsbuch eines Geseker Schmiedes, beginnend in den 1930er Jahren. Das als Dauerleihgabe im Stadtarchiv deponierte Archiv des Geseker Verkehrsvereins e.V. wurde weiter ergänzt.
Wer kennt und benutzt heute noch Kurzschrift? Daher ist folgende Archivalienschenkung besonders interessant: Von einem ehemaligen Geschäftsführer des Vereins wurde zum Jahresende die noch erhalten gebliebenen Rechnungsbücher, Übungshefte, einige Ausgaben der Fachzeitung, und Mitgliederlisten des 1939 gegründeten Stenographenvereins Geseke e.V. dem Stadtarchiv übergeben. Der Stenographenverein bestand bis in die 1970er Jahre.
Die Archivbibliothek wurde um einige Werke zur Orts- und Regionalgeschichte erweitert, teils in Form einer Buchspende, teils durch Ankauf. Neu hinzu gekommen sind u.a. das Werk von Dr. Helmut Mauermann zur Geschichte des Störmeder Flughafens, ein von Franz Jacob gestalteter und vom Kulturring herausgegebener historischer Bildband zu Mönninghausen, der Beitrag zur Geschichte des Geseker Leinengewerbes um 1800 von Dr. Wolfgang Maron, die jeweiligen Jahresbände der „Westfälische Zeitschrift“, der „Rheinisch-westfälischen Zeitschrift für Volkskunde“, der Zeitschriften „Westfalen“ und „SüdWestfalenarchiv“ usw. Besonderes Interesse erwecken wird auch die (bisher ungedruckte) rezeptionsgeschichtliche Diplomarbeit im Fach Kulturwissenschaften von Frau Petra Herrmann zum Thema „Die Hexenstadt Geseke - Vom Mythos zur Vermarktung“, von der ein Belegexemplar im Archiv eingesehen werden kann. Abschließend soll hier all denen herzlich gedankt werden, die dem Geseker Stadtarchiv, zur Benutzung durch und zum Nutzen aller historisch Interessierten, Unterlagen zur Verfügung stellten, gleich ob es sich dabei um Schenkungen oder Dauerleihgaben handelt. Das gilt auch für diejenigen, deren Unterlagen hier nicht speziell erwähnt wurden.