

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Archivbenutzungen erfreulicherweise erneut gesteigert. Es konnten 2006 insgesamt mindestens 417 Benutzungen (2005: 394) gezählt werden. Davon haben 178 Benutzer (2005: 135) das Archiv persönlich aufgesucht, während 239 Personen (2005: 259) telefonisch, brieflich, per E-Mail oder mündlich ihre manchmal aufwändigen Rechercheaufträge erteilten bzw. um Auskunft ersuchten. 116 (= 27,8 %) der Benutzungen erfolgten verwaltungsintern (2005: 142 = 36 %) und zu dienstlichen Zwecken; 301 (= 72,2 %) Benutzungen (2005: 252 =64 %) erfolgten durch Externe, also in nicht-dienstlichem Zusammenhang.
Wie in den vergangenen Jahren nutzten einzelne Schüler der gymnasialen Oberstufe das Archiv während ihrer mehrmonatigen Informationssuche für ihre geschichtlichen Facharbeiten, die sie in der Jahrgangsstufe 12 kurrikulumsgemäß zu verfassen haben. Darüber hinaus haben in den Monaten Februar, Mai, Juni und September Schüler und Schülerinnen der Stufen 10 und 11 als Gruppe oder im Klassen- bzw. Kursverband im Rahmen des Geschichtsunterrichtes das Archiv besucht.
Eine kleine Gruppe von Fachbereichsleitern aus Kommunen des Kreises Soest besichtigte im Vorfeld einer Arbeitssitzung am 30. Januar das Historische Archiv der Stadt Geseke.
Am 16. Mai besuchte die Geseker FDP-Fraktion das Stadtarchiv, um sich über die dortigen Bestände und Forschungsmöglichkeiten zu informieren. Erfreulicherweise hatte man sich aus diesem Anlass dazu entschlossen, das Gründungsprotokollbuch (Laufzeit 1948 bis 1982) der Geseker FDP als Dauerleihgabe im Archiv zu deponieren und damit künftiger Forschung zugänglich zu machen. Darüber hinaus wurde dem Archiv eine CD mit Bildern aus dem Betrieb der ehemaligen Eisengießerei Altemeyer für die Bildsammlung des Stadtarchivs überlassen. Für beides sei den Beteiligten herzlich gedankt.
Im Jahr 2006 konnten wieder 10 Ausgaben der Geseker Heimatblätter fertig gestellt werden. Mit Erscheinen der Nr. 479 im Juni des Jahres 2006 vollendeten sich darüber hinaus acht Jahrzehnte Geseker Heimatblätter. Sie werden seit Juni 1926 vom Verein für Heimatkunde Geseke e.V. herausgegeben und erscheinen von Anfang an als Beilage der Tageszeitung „Geseker Zeitung“ bzw. später des „Der Patriot“. Aufgrund einer technischen Umstellung (neue Software in der Technik-Setzerei Laumanns) konnte die letzte Ausgabe November/Dezember 2006 tatsächlich erst im Januar 2007 erscheinen. Diese letzte Ausgabe enthielt das Inhaltsverzeichnis für die bereits veröffentlichten 30 Ausgaben der Jahre 2004-2006, da im Verlauf des Jahres 2007 wieder ein gebundener Band der Geseker Heimatblätter herausgegeben werden soll. Voraussichtlich wird dieser Band ab Mitte März vorliegen.
Leider war 2006 der Tod zweier langjähriger und bedeutender Autoren der Geseker Heimatblätter zu beklagen: Es verstarben Ehrenmitglied Karl-Josef Freiherr von Ketteler sowie Ehrenvorsitzender Dipl. Ing. Edgar Lüüs. Sie werden uns sowohl als menschlich sehr geschätzte Persönlichkeiten als auch als Heimatforscher fehlen. Freiherr von Ketteler hinterlässt ein große Anzahl noch ungedruckter interessanter Manuskripte, die zukünftig in den Heimatblättern nach und nach veröffentlicht werden. Seine große Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Geseke veranlasste Edgar Lüüs testamentarisch festzulegen, dass seine postgeschichtliche Sammlung (Geseke Poststempel) künftig der Forschung zur Verfügung stehen soll. Sie ist im Stadtarchiv einzusehen.
Wie immer sei an dieser Stelle allen Autoren für ihre durchweg interessanten, unterhaltsamen und oft anspruchsvollen Artikel herzlich gedankt, ebenso auch den Mitarbeitern der „Geseker Zeitung“ bzw. des „Der Patriot“, in Lippstadt für die technische Umsetzung und Layout Frau Pflug und besonders Frau Erika Hapke, beide von der Technik-Setzerei des Patriot, nicht zu vergessen dem Verlag Laumanns selbst dafür, dass er die auch überörtlich bekannten Geseker Heimatblätter weiterhin als Beilage seiner Tageszeitung unentgeltlich veröffentlicht.
Die längst erfolgte Umstellung von DM auf Euro, veränderte technische Möglichkeiten und der Wandel der Benutzungsgewohnheiten der Archivnutzer hatten eine Überarbeitung der bis dahin geltenden Gebührenordnung vom 10. Oktober 1989 notwendig gemacht. In seiner Sitzung vom 19. Dezember 2006 beschloss der Rat der Stadt Geseke daher eine zeitgemäße Gebührensatzung, die ab 1. Januar 2007 in Kraft trat. Sie kann unter „Öffentliche Bekanntmachungen“ (Einstellungs-Datum 22. Dezember 2006) im Internet auf www.geseke.de, der Homepage der Stadt Geseke, eingesehen werden.
Trotz knapper Haushaltsmittel konnte 2006 mit der Restaurierung des im Findbuch des Stadtarchivs Geseke unter der Signatur A XXXII, 3 Bd. 4 (07.02.1688-07.03.1699) verzeichneten Bandes der Serie der Go-Gerichtsprotokolle (Protokollbücher des kurfürstlichen Gerichts in Geseke) begonnen werden. Die Restaurierung dieses Bandes, die wie immer durch die Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Archivamtes in Münster geleistet wird, wird 2007 abgeschlossen sein.
Die Umstrukturierung der Verwaltung und der Umzug einzelner Abteilungen innerhalb des Gebäudes der Stadtverwaltung (An der Abtei 1) bewirkten einen überdurchschnittliches Aufkommen an Akten für das Zwischenarchiv, das in kürzester Zeit bewältigt werden musste. Die Bearbeitung der Zwischenarchivbestände wird sich jedoch noch bis weit in das Jahr 2007 erstrecken. Für die Unterbringung dieser teilweise noch viele Jahre im Zwischenarchiv aufzubewahrenden Unterlagen, konnten 2006 noch einmal mit finanzieller Unterstützung des Archivamtes im Landschaftsverband Westfalen-Lippe einige Archivregale beschafft werden.
Die notwendige Umstellung des veralteten Betriebssystems auf dem Archivcomputer führte dazu, dass der bisher viel genutzte, inzwischen hochbetagte Flachbettscanners durch einen jüngeren „Kollegen“ ersetzt werden musste, dessen Betriebssoftware mit Windows XP harmonisierte. Mit dem neuen Gerät ist auch das gleichzeitig Scannen von bis zu vier Dias möglich.
Seit dem 13. Februar 2006 wurde im Rahmen eines leider zeitlich befristeten, umgangssprachlich so genannten „Ein-Euro-Jobs“ eine Hilfskraft mit dem Einscannen klassifizierter und dem Sortieren bereits gescannter Zeitungsartikel nach einer vorgegebenen Klassifikation beschäftigt. Die Artikel mehrere Jahre mussten eingearbeitet werden, eine Arbeit, die jedoch Ende 2006 noch nicht abgeschlossen war. Dennoch wird damit die archivische Zeitungsausschnittsammlung schrittweise zu einer immer wertvolleren Informationsquelle zu Ereignissen aus der Lokalgeschichte der letzten Jahrzehnte, besonders für Vorgänge, für die es keine alternativen Quellenzeugnisse gibt.
In der Zeit vom 12. Juni bis zum 30. September 2006 absolvierte eine Praktikantin im Stadtarchiv ein Betriebspraktikum im Rahmen einer Bildungsmaßnahme.
Das Stadtarchiv konnte auch 2006 wieder um attraktive Einzelstücke und kleinere Bestände nichtamtlichen Ursprungs erweitert werden. Diese Archivalien wurden dem städtischen Archiv teils geschenkt, teils als Dauerleihgabe hinterlegt. Auch der im Stadtarchiv deponierte Teil des Archivs des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. erfuhr eine schöne Ergänzung. Die Archivbibliothek konnte durch Ankauf und archivischen Schriftentausch um einige Zeitschriftenbände und andere Publikationen erweitert werden.
Hier eine Auswahl der Neuzugänge:
Die für biographische Recherchen besonders ergiebige Totenzettelsammlung wurde erneut durch Schenkungen verschiedener Personen aus der Geseker Bevölkerung erweitert.
Die Bildsammlung erhielt u. a. Digitalisate von historischen Aufnahmen der Eisengießerei Altemeyer. Durch einen anderen langjährigen Archivbenutzer wurden neuere Aufnahmen unterschiedlicher Thematik (u. a. Zementwerke) als Reproduktionen überlassen.
Die Plakatsammlung konnte auf Bitten um eine Archivexemplar in dem einen oder anderen Fall erweitert werden.
Die Hinterlegung des Gründungsprotokollbuches der FDP und der postgeschichtlichen Sammlung (Poststempel) von Edgar Lüüs wurde bereits erwähnt.
Darüber hinaus wurde dem Archiv zur dauernden Aufbewahrung eine Akte des 1891 gegründeten „Radfahr-Cubs“ (Laufzeit 1891-1914) übergeben, die neben vielen Rechnungen mit schönen Geschäftsbriefköpfen auch eine kurze Darstellung der Gründung des Vereins enthält.
Der Weitsicht und Gewissenhaftigkeit eines Briloner Heimatforschers und der Kollegialität einer Mitarbeiterin des Landesarchivs NRW, Staatsarchiv Münster, ist es zu verdanken, dass eine Abschrift aus dem Jahr 1804 eines Jagdschnadprotokolls von 1779 in das Geseker Stadtarchiv gelangen konnte. Der wesentliche Inhalt ist zwar schon durch kurze Zusammenfassungen in Veröffentlichungen Joseph Lappes bekannt. Bisher war jedoch kein einziges Schnadprotokoll „im Original“ im Stadtarchiv vorhanden, auch die von Lappe erwähnten Abschriften von Protokollen im Archiv des Altertumsvereins in Paderborn sind dort nicht mehr vorhanden. Das Protokoll wird in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift „SüdWestfalen Archiv“ im Wortlaut erscheinen, um es einem größeren Interessentenkreis auch in den Nachbarstädten nutzbar zu machen.
Von einer nachgeborenen Verwandten des ehemaligen Geseker Bürgermeisters Aloys Feldmann wurden Manuskripte seiner von ihm als jungem Mann verfassten Gedichte und Geschichten an das Archiv übergeben. Der aus Körbecke stammende Aloys Feldmann ist in seiner Geburtsstadt auch als Mundartdichter bekannt, dessen Schöpfungen aus den 1920er Jahren bereits teilweise publiziert sind.
Manuskripte seiner öffentlichen Reden und Ansprachen sowie verschiedene Publikationen wie z. B. Vereinsfestschriften bilden das Gros des Nachlasses von Bürgermeister August Wiehen, welcher auf Wunsch seiner Witwe nun ebenfalls in das Stadtarchiv gelangt ist und nach noch zu besorgender Ordnung und Verzeichnung der Forschung zur Verfügung stehen wird.
Das im Stadtarchiv deponierte Archiv des Vereins für Heimatkunde Geseke e.V. wurde um eine kleine Kostbarkeit aus Privatbesitz ergänzt, nämlich einer in Prag gedruckten sogenannten (katholischen) Erbauungsschrift aus dem Jahr 1693 eines Christoph Andreas Winsch. Leider ist das Werk so stark beschädigt, dass die ersten paar Seiten fehlen und der Buchtitel nicht mehr lesbar ist. Auch blieben die Versuche, Näheres über den Autor oder diese spezielle Schrift zu erfahren, bisher ergebnislos.
Allen denjenigen, die mit dem einen oder anderen Stück mithalfen, die Bestände des Stadtarchivs zu ergänzen und damit die in ihm verwahrten Quellen zur lokalen Geschichtsforschung zu erweitern, sei an dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank ausgesprochen.