Städtisches Hellwegmuseum - Ausstellungsstück des Monats Juli

02.07.2019
Rokoko-Pendale aus dem Besitz der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft
Rokoko-Pendale aus dem Besitz der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft

Auf den ersten Blick gibt sie schon was her, diese Pendale aus dem Besitz der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft: Ein Schild von 16 x 11 cm aus Silber, üppig von Rokokoornamenten gerahmt, darauf der Kurhut, wie ihn der Kölner Bischof als Herrscher und Geseker Landesherr trug. Eher unauffällig scheint dagegen zunächst die gravierte Darstellung mit einem lateinischen Text und dem Namen des Stifters. Auffällig ist dann schon wieder der fehlerhafte Text. Laut Wahle wurde der Text damals etwas zurechtgebogen, damit das Chronogramm die richtige Jahreszahl ergibt, die 1766 lautet.¹ Die nächste Auffälligkeit ist die gravierte Abbildung darüber, die sich mit Hilfe des Spruches schnell erkennen lässt. Der lautet übersetzt: "Gott Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste sei immer und ohne Ende Ehre".²

An sich sind Darstellungen der Heiligen Dreifaltigkeit nichts Besonderes und auch zu dieser Zeit weit verbreitet. Wir kennen sie als Abbildung Christi mit Gottvater und dem Heiligen Geist, dargestellt als Taube. Hier aber erkennt man zunächst drei ähnliche Figuren über deren bärtigen Häuptern Gloriolen scheinen. Diese Form der Verbildlichung war im Mittelalter weit verbreitet und geht auf eine alttestamentliche Stelle zurück, in der Gott Abraham in Erscheinung dreier gleicher Männer aufsucht.³ Dem Autor ist für das Rokoko allerdings keine derartige Darstellung, zumindest nicht in unserem Raum, bekannt. Zur Entstehungszeit der Gravur war die Verbildlichung des Heiligen Geistes in einer Gruppe von drei (mehr oder minder gleich aussehenden) Figuren auch schon von den Päpsten Urban VIII. (1623-1644) und Benedikt XIV. (1740-1758) verboten worden.4 

Über die untypische Dreiergruppe hinaus, sind die Figuren durch Attribute oder Symbole gekennzeichnet. Verschiedene Formen der Darstellung der Trinität wurden hier zusammengefügt. Zur Rechten Gottes sehen wir Christus mit dem Kreuz, der das Schwert hält. Im Strahlenschein von Gottvater erscheint das Dreieck als Zeichen der Dreifaltigkeit und der Heilige Geist ist durch eine Taube auf der Brust gekennzeichnet.

Das Schwert steht für Allmacht und Gerechtigkeit. Der Graveur hatte vielleicht eine undeutliche Vorlage, da dieses Symbol eher in die Hand Gottes gehört als in die Linke Christi. Alle drei Männer sitzen um eine Kugel herum, die Einheit, Welt und Universum verkörpert.

Unter Bezug auf das Familienbuch der Stadtkirche 5 teilt Domvikar Hans Jürgen Rade auf Anfrage mit: "Hinter 'C. Brochoff' dürfte sich der Geseker Kämmerer Conrad Brockhoff (getauft 30. Januar 1724, gest. 6. März 1773) verbergen, der am 11. August 1759 in der Stadtkirche Anna Maria Steyer heiratete. Laut Geseker Ratsprotokoll vom 22. August 1742 erlernte Conrad Brockhoff zu Soest das Tabakmacherhandwerk. Er war Mitglied der Paderborner Tabakmacherzunft." 6

Wie an anderen Orten, so war es auch in Geseke damals üblich, dass der Schützenkönig eine sogenannte Pendale (darin steckt der gleiche Wortstamm wie im Pendel) stiftete, die neben dem bekannten Schützenkleinod vom amtierenden König an einem Band oder einer Kette getragen wurde. 7 Für 1766 fehlt in der Liste der Könige eine Eintragung. Vielleicht könnte man für dieses Jahr C. Brochoff nachtragen. 8

Aus dem 18. Jahrhundert befinden sich heute zwei weitere solcher Anhänger als Leihgabe der Schützenbrüder im Museum. Besonders das beschriebene Stück zeigt deutlich die enge Verknüpfung der Bruderschaft mit dem christlichen Glauben.

Es gab weitere Pendalien, die jedoch am Ende jenes Jahrhunderts verkauft wurden, da die Bruderschaft sich hatte Verschulden müssen. 9 Ein Zustand, der sich hoffentlich nicht wiederholen wird!

Städt. Hellweg-Museum Geseke
Hellweg 13
59590 Geseke
Tel.02942/500949

Öffnungszeiten:
mittwochs von 17:00 - 19:00 Uhr | samstags und sonntags von 11:00 - 18:00

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1 Wahle, Walter (1977): Die Pendalien des Königskleinod der Geseker Schützen; in: Geseker Heimatblätter, 35.Jg., Nr. 213, S. 131-133, S. 132

2 ebenda

3 Für den Hinweis auf die Bibelstelle in Gen 18 sei Domvikar Hans Jürgen Rade gedankt. https://www.erzbistum-muenchen.de/spiritualitaet/cont/83681 bietet einen kurzen Einblick in die Darstellungstradition der Heiligen Dreifaltigkeit

4 Thomas Noak (2012): Bildliche Darstellung des christlichen Gottes; in: Swedenborg Bibliothek Zürich (http://www.thomasnoack.ch/ThN/Aufsaetze/20121009TrinIkonographie.pdf), S.7

5 Stümpel, Magret (1996): Familienbuch Stiftskirche Geseke, 1996. Masch. Manuskript, StadtA Geseke, Dep. Verein für Heimatkunde Geseke

6 Für die freundliche Auskunft per E-Mail sei herzlich gedankt.

7 Wahle, a.a.O., S.131

8 https://www.sankt-sebastianus.de/die-bruderschaft/majestaeten.html; Das gilt auch für J. Becker für das Jahr 1764, während der dritte Stifter Joann Henr. Gödde für 1768 aufgeführt ist.

9 Wahle, a.a.O., S.131

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An der Abtei 1
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