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Zur Barockisierung mittelalterlicher Kirchen in Geseke und Westfalen

Die Barockisierung mittelalterlicher Kirchen, also die Neuausstattung bestehender Bauten im 17. und 18. Jahrhundert, ist in den letzten 13 Jahren in den Fokus der kunsthistorischen Forschung gerückt. Ein Grund mehr, warum sich die Kunsthistorikerin Dr. Julia von Ditfurth, auf Einladung des Stadtarchivs Geseke, in ihrem Vortrag am Dienstag, 18. September, ab 19 Uhr im Veranstaltungsraum der Sparkasse Geseke, Bachstraße 35, genau mit diesem Thema befasst.

Die Barockisierung mittelalterlicher Kirchen, also die Neuausstattung bestehender Bauten im 17. und 18. Jahrhundert, ist in den letzten 13 Jahren in den Fokus der kunsthistorischen Forschung gerückt. Ein Grund mehr, warum sich die Kunsthistorikerin Dr. Julia von Ditfurth, auf Einladung des Stadtarchivs Geseke, in ihrem Vortrag am Dienstag, 18. September, ab 19 Uhr im Veranstaltungsraum der Sparkasse Geseke, Bachstraße 35, genau mit diesem Thema befasst.

Dabei erscheint es im ersten Moment absurd, die Barockisierung gerade in Westfalen zu untersuchen. So sind doch beispielweise der Paderborner Dom oder die ehemalige Frauenstiftskirche in Vreden von vielem geprägt - aber nicht von ihrer üppigen barocken Einrichtung. Die Stiftskirche in Geseke weist als eine der wenigen Kirchen der Region mit ihrer erhaltenen barocken Altartrias aus dem 18. Jahrhundert einen bemerkenswert guten Bestand auf, doch ist auch das gewissermaßen nur die Spitze des Eisberges. Vieles bleibt dem heutigen Kirchenbesucher verborgen und er ahnt nichts mehr von chorfüllenden Hochaltären, der Vielzahl an Seitenaltären, Beichtstühlen oder Kanzeln im Stil des Barock und Rokoko; oder in Geseke von der barocken Ausstattung des 17. Jahrhunderts. Aber diese verschwundene Epoche lässt sich rekonstruieren: anhand einzelner erhaltener Objekte, Schriftquellen, historischer Fotografien und Zeichnungen und mit etwas kriminologischem Spürsinn.

Das Ergebnis zeigt eine Verwandlung der alten Räume durch eine damals modische und zeitgemäße Ausstattung als einen langen, mehrphasigen Prozess. Dabei ist allen Barockisierungen in Westfalen das kontrastierende Gegenüber von mittelalterlicher Architektur und barockzeitlicher Ausstattung gemein. Ein Verschmelzen wie in Süddeutschland oder Italien hat es hier nicht gegeben.

In dem Vortrag "Die verschwundene Epoche - Zur Barockisierung mittelalterlicher Kirchen in Geseke und Westfalen" erläutert Dr. Julia von Ditfurth das Phänomen der Barockisierung mit einem regionalen Zuschnitt, unter anderem an den Beispielen der Domkirchen in Münster und Paderborn sowie der ehemaligen Frauenstiftskirchen in Geseke, Freckenhorst und Vreden.

Zur Person: Julia von Ditfurth, geboren 1985 in Eckernförde. 2005-2010 Studium der Kunstgeschichte, der evangelischen Theologie sowie der Mittleren und Neueren Geschichte in Kiel; währenddessen Projekte in den Kathedralkirchen in Speyer, Florenz und Erfurt sowie Praktika in der Kunsthalle zu Kiel und im Künstlermuseum Heikendorf, Kieler Förde. 2010-2015 Promotion zu Barockisierungsprozessen in Damenstifts- und Frauenklosterkirchen in Westfalen (betreut von Prof. Dr. Klaus Gereon Beuckers; gefördert durch das Evangelische Studienwerk Villigst); währenddessen Projektarbeit in Münster. Seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kunstgeschichte der Uni Kiel.