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Wall - Rauminstallation in der Stadtkirche St. Petri

Gabriele Wilpers und Herbert Galle

Ein Wall bedeutet Schutz vor Gefahren, der Geseker Wall beschützte die Geseker BürgerInnen, als die Stadt von den Soldaten des Christian von Braunschweig im April 1622 belagert wurde. Nach einer Woche fand die Belagerung ein glückliches Ende, zum Dank daran zieht seitdem alljährlich die Lobetagsprozession über die Wälle der Stadt. 

Seit dem 24. Februar 2022 führt der russische Präsident Putin einen grausamen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Angesichts dieses für viele bis zuletzt unvorstellbaren Überfalls auf einen souveränen Staat bekam die Idee , für den Chorraum der Stadtkirche St. Petri eine Rauminstallation zum 400-jährigen  Jubiläum der Lobetagsprozession zu entwerfen, eine ganz andere Schärfe.

Die Rauminstallation WALL von Gabriele Wilpers und Herbert Galle in der Stadtkirche St. Petri ist noch bis zum 25. Juni 2022 zu besichtigen.

 

In diesem schwebenden Raumbild werden zwei inhaltliche Ebenen zusammengeführt. Einerseits thematisiert die Installation die Erinnerung an das historische Geschehen der Belagerung Gesekes, sie will aber auch unmittelbar eindringliche Assoziationen erzeugen, die den Blick auf den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine lenken.

An vielen Stellen geschwärzt und von Axtschlägen angegriffen, bildet der charakteristische Umriss der alten Geseker Wallanlage mit seinen sechs Toren als offene Form das Zentrum der Installation. Dunkelfarbige Kugeln durchfliegen scheinbar bedrohlich den Raum. Sie sind den originalen Kanonenkugeln nach-empfunden, die seit der Beschießung der Stadt im Stadtgebiet gefunden wurden und im Heimatmuseum aufbewahrt werden.

Der „Wall“ ist umgeben von einem Schwarm gläserner, scherbenartiger Formen. In vielen Berichten aus den Kriegsgebieten sind immer wieder Bilder von Straßen zu sehen, die von Glassplittern übersät sind. Manchmal ist noch ihr unheilvolles Klirren zu hören, wenn sie nach einer Explosion herabregnen. Auf diesen Scherbenformen sind nun Wörter zu sehen, Wörter, die wir aus aktuellen Zeitungsberichten oder Tagebuchaufzeichnungen entnommen haben, und die im weitesten Sinne Synonyme für Abgrenzung und Schutz darstellen. Sie können auf vielfache Weise gelesen werden, lösen Geschichten aus, führen zurück zu der Bedrängnis der Menschen im Dreißigjährigen Krieg und öffnen gleichzeitig den Blick auf die schreckliche Situation der Menschen in der Ukraine.

Zum Beispiel war „Schlachtfeld“ für uns vermeintlich ein „altes“ Wort, fast gar nicht mehr in Gebrauch. Es war aber noch vor kurzem in einem Bericht über die sinnlos zerstörte Großstadt Mariupol zu hören. Es sind Wörter, die von Angst und Not der Menschen damals wie heute sprechen, aber auch von Mitgefühl, Solidarität und Zusammenhalt, zu denen Menschen in der Wirklichkeit des Lebens, und auch des Krieges, fähig sind.

Quer durch die südliche Stadt, zwischen Osttor und Westtor, verläuft eine leicht geschwungene Linie, der Hellweg, der uralte Verkehrsweg, im Mittelalter eine bedeutende Königs- und Heerstraße. Über ihn wurden z.B. Salz aus Soest und Eisenwaren aus dem Sauerland transportiert. Als Hinweis auf die weit zurück reichende Bedeutung des Hellwegs für den Fernhandel sowie die Geschichte Gesekes als Ackerbürgerstadt sind Münzen, keramische Fundstücke, Getreidekörner usw. auf der schwebenden Linie angebracht. Eine Muschel erinnert an den Hellweg als Bestandteil des Jakobsweges, über den die Pilger nach Santiago de Compostela zogen und immer noch ziehen. Allerdings erwies sich in Kriegszeiten für viele Orte ihre Lage am Hellweg als Nachteil, besonders während des Dreißigjährigen Krieges, da die durchziehenden Truppen von ihnen Kost und Logis erpressten.

Termine

  • 11.05.22 09:00 - 12:00 Uhr
  • 13.05.22 18:45 Uhr
  • 14.05.22 09:00 - 12:00 Uhr
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