Geseker Plattdeutsch-Aufnahmen

Nachdem das Projekt "Plattdeutsch bewahren" der beiden Geseker Gerhard Schulte und Franz-Josef Koch im letzten Jahr mit dem Heimatpreis der Stadt Geseke ausgezeichnet wurde, geht es nun in die zweite Runde. Die zur dauerhaften Aufbewahrung an das Stadtarchiv Geseke abgegebenen 47 Audioaufnahmen plattdeutscher Erzählungen und Anekdoten des Sprechers Franz-Josef Koch stehen ab sofort auch online zur Verfügung. Wer die in Geseke mittlerweile nahezu ausgestorbene Mundart im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal ‚live‘ erleben möchte, kann dies nun auf der vorliegenden Internetseite tun. Sie sind im Anhang dieses Textes als Einzeldateien abrufbar (siehe unten). Die zugehörigen hochdeutschen Übersetzungen der Erzählungen liegen in schriftlicher Form im Stadtarchiv vor und können bei Interesse dort eingesehen werden. Stadtarchivar Ralf Schumacher freut sich über die gelungene Kooperation: „Die plattdeutsche Sprache gehört zum immateriellen Kulturerbe unserer Region. Für die Geseker Kernstadt ist sie vor allem durch Veröffentlichungen von Josef Grönenberg, Christel Schulte Krude und Werner Freise sowie Materialien zu Veranstaltungen des ehemaligen „Plattdeutschen Krinks“ des Vereins für Heimatkunde Geseke bereits gut dokumentiert, allerdings überwiegend schriftlich. Gerade eine Sprache lebt jedoch davon, dass sie gesprochen wird. Daher freue ich mich, dass Franz-Josef Koch und Gerhard Schulte in den letzten Monaten weitere Aufnahmen erstellt und auch diese dem Stadtarchiv zur Nutzung überlassen haben“. Sollte das Audioprojekt auch in anderen Geseker Ortsteilen Anklang finden, steht das Stadtarchiv gerne als Ansprechpartner zur Verfügung (Telefon: 02942/500-141, E-Mail: ralf.schumacher@geseke.de

 

Plattdeutsche Aufnahmen

Dat Dreykünigssingen hätt in Geyseke ne alle Tratiziaun. Ik kann dat ment nohe vertellen, wie dat in Geyseke nohen Kreyge was.

Do mäken sik dey Blagen eyne Kreune un en Stiern iut Pappdeckel. Dey wör mit Goldpapier ümmewickelt. Dann word dey Stiern anen Besenstiel fastemaket. Niu troken sik dey Blagen en witet Laken öwer, un satten sik dey Kraune upen Kop. Eyner van dey Blagen wor schwat maket. Dat wör dey Kasper, dey mochte diern Stiern driegen.

Niu troken dei drey Künige los. Se troken nich wie van Dage dür dey ganze Stadt. Ne, dey gengen ment no dey Nowers, Onkel un Tante, un Bekandten.

 

Et kam ower auk vür, dat sik dey Grauten Owens upen Patt mäken. Düses wör ower ment Plessier. Dann gengen se no einen Nower, un bliwen dien ganzen Owend do sitten. 

 

Wann niu dey drei Künige vür dei Hiusdür stönnen, do fängen se anteu singen:

„Wir wollen mal singen Gott lobt den Herrn,

 die heiligen drei Könige mit ihrem Stern.

 Wir kommen aus dem Morgenland,

 die Sonne hat uns schwarz gebrannt.

 Wir sehen aus wie Mohren,

 und haben schwarze Ohren.“

Niu räp eyner van deyn Blagen: „Kasper prädige mal.“ Dann väng dey Schwatte an teu predigen:

„Es war einmal ein Mann. Der kaufte sich ein Kamm.

Der Kamm war ihm zu klein, da kauft er sich ein Schwein.

Das Schwein war ihm zu fett, da legt er sich ins Bett.

Das Bett war ihm zu kalt, da ging er in den Wald.

Der Wald war ihm zu grün, da ging er nach Berlin.

Berlin war ihm zu groß, da ging er nach Franzos.

Franzos war ihm zu frech, patsch hat er einen weg.“

Dann gafte et für dey Dreykünige en Appel oder ein paar Plätzken van dien Weyhnachtsteller.

 

Niu is dat alles aners worn. Dat Dreykünigssingen hiet dey Kierke seyt 1961 inne Hand nuhmen. Niu laupet dey Blagen dür dey ganze Stadt un sammelt Geld vör armen Blagen inne drüden Welt. Dey Kierke besteyt 

 

Noh diem Kreyge wor dat ierste Schüttenfest 1947 ub dien Sportplatz upen Rabenfittich fiehert. 

Dotau wor en grautet Telt ubbugget, dann dey Schüttenhalle wör nau eyn Kawelwirk unnerbrocht.

Do dey Duitschken noh diem Kreyge keyne Waffen häben droften, wor dey Schüttenvogel mit Steyne afschmieten. Dey Blagen mossten teun Bahndamm laupen, un Bahnschotter halen. Wann se wieken miebrochten, kreygen se teyn Pennig.

Wann niu dey Vugel afschmieten wör, wor mit diem Künigspaar Schützenfest fiehert.

Niu kamm sölwes gebrannten Schnaps iut Reuwen un auk iut Tiuffeln ub dien Dischk. Doför kreg dey Festwert Korkenstüer.

Ower fiehert hiät dey Schützen ganz jut.

 

Düt hiet mey Drögen Heinz vertallt.

Dat Kriutbund binen hiet eyne alle Traditsjaun. 

Freuer wor dat seu, dat dey Lühe selten nohen Doktor gengen. Et gafte keyne Krankenkasse, un dey Doktor was teu düher. Dey Lühe hiet sik sölwer mit Hiusmittel kureiert. Dey Hiusmiddel wöhern dey Kriuter, dey se int Kriutbund sammelt hiet.

In dien Kriutbund kamen dey Kruiter rin:

Johannes Kriut, Wermut, Bleyfuß,

Schobgawe, Tymian, Baldrian, Eysenkriut,

Peperminze, dey veier Getreidesurten

un dey Küngskirze.

 

Am Dage Maria Himmelfahrt am fünfteynten August, wor dat Kruitbund in dey Kirke segnet. Dann wor et teun droknen ubhangen. In Winter wor dann iut Kriuten Tee kuoket.

Domit hiet sik dey Lühe sewes kureiert.

 

Un dat geng auk.

In Geiseke was et freuher Briuk, dat teu Niggejohr dat Nijörken maket un verschenkt wor.

Teun Nijörkenmaken briugere man drey Obsttweyge, eynen scheunen grauten Appel, Bugsbäumtweige un Wallnüte oder Haselnüte. Dey kleynen Obsttweyge wohern als Feute in dien Appel sticket. Donohe werd dey Bugsbäum in dey Appelbleute rin stiecket. Dey Nüte wierd an den Bugsbaum annemaket un ferig is dat Nijörken.

Am Niggejohrs Muorgen worde dat Nijörken an dien Nowers un Bekannten mit dien Wohern: „Wey wünschket jiu eyn gesignet nigges Johr“ verschenket.

Verleiwete Burschken stellen dey Leiwesten Niggejohrs Muogens dat Nijörken für dey Dör.

Wann dat Nijörken nohmittags im Fienster stont, was dey Friggger teun Kaffee inloden. Stan et ower nich im Fienster, was hey nit willkumen.

Hey was afblitzet.